»Er ist ein Fremder, Don Gaspard, der aus Kalifornien mit vielem Geld hierher gekommen.«
»So? Der Deutsche? Und was habt Ihr gegen ihn?«
»Das Gold, das er mitgebracht, ist mein,« sagte der Mexikaner ruhig, »ich hielt ein Spielzelt am Richgulch in Kalifornien und verkaufte zugleich Waaren. Ich verdiente viel Gold. Da aber die Americanos dort kein Spiel mehr haben wollten, trieben sie uns fort, und ich lud mein Gold und meine Waaren auf Maulthiere und zog nach dem Macalome hinüber, wo ich noch einen Bruder hatte. Mit diesem wollte ich nach Mexiko zurückkehren – ich brauchte nicht mehr. Unterwegs traf ich den Aleman. Es sind sonst gute, rechtliche Leute, und wir Mexikaner verkehrten dort nur mit ihnen und den Franzosen. Ich freute mich, daß ich Begleitung bekam; denn ich hielt mich mit meinen schwer beladenen Thieren nicht für ganz sicher im Wald. Manchen von uns hatten die Amerikaner gemordet, und uns selber wurde es dann zur Last gelegt. Ich hatte mir aber den schlimmsten Feind zu meiner Begleitung ausgesucht. Als wir, kaum noch eine halbe Legua vom Macalome entfernt, eine kurze Zeit im Wald rasteten, nahm er die Gelegenheit wahr und schlug mich mit seinem schweren Messer über den Kopf – hier an der Seite, Sennor, seht Ihr noch die kaum verharrschte Narbe. Ich brach besinnungslos zusammen, und er hielt mich jedenfalls für todt; ich war es auch fast. Landsleute fanden mich später und trugen mich in die Minerstadt, und als ich nach Wochen wieder zu mir kam und meinen Bruder an meinem Bett sitzend fand, war meine erste Frage nach meinen Thieren, meinen Schätzen – umsonst – man hatte Nichts bei mir gefunden – gar Nichts – der Räuber mußte Alles mit fortgenommen haben, Thiere, Waaren und Gold, und ich war wieder arm, wie ein Bettler.«
»Hm – eine verwünschte Situation,« brummte der Advokat, sich eine neue Cigaretta anzündend, »und Ihr wißt gewiß, daß dieser Don Gaspard derselbe ist, der Euch damals begleitete?«
»Hört nur weiter,« fuhr der Mexikaner fort. »Vierzehn Tage brauchte ich wohl noch, bis ich mich vollständig erholt hatte und meine Wunde vernarbt war – dann folgte ich seinen Spuren. Mein Bruder hatte mir einige Unzen Gold geborgt, damit wanderte ich aus, und es dauerte nicht lange, so war ich auf der Fährte des Mörders. In Stockton hatte er meine Maulthiere und Waaren verkauft und war zu Schiff nach San Francisco gefahren, und bald erfuhr ich, daß er nach Panama gegangen. Ich nahm Zwischendeckspassage und folgte ihm. In Panama ließ ich mir die Passagierlisten geben und sah seinen Namen nach Peru eingeschrieben. – Ich mußte mein Geld sparen und bekam freie Passage als Kajütenaufwärter hierher. – Ich brauchte in Lima nicht lange nach ihm zu suchen. Das Gerücht, daß er so viel Gold in den kalifornischen Minen gefunden, hatte ihn rasch bekannt gemacht. Ich habe ihn heute gesehen.«
»In der That?« rief der Advokat, der sich doch jetzt für die Sache zu interessiren anfing, indem er sich in seiner Hängematte halb emporrichtete, »und was sagte er?«
»Er leugnet Alles.«
»Nun natürlich, versteht sich von selbst – aber wo haben Sie Ihre Zeugen?«
»Zeugen habe ich gar nicht – wir waren allein.«
»Den Teufel auch! gar keine Zeugen? Aber es hat Sie doch dort Jemand zusammen wegreiten sehen, oder Sie sind Anderen begegnet? –«