»Allerdings – Menschen genug; aber wer das war und wo die jetzt sind, wer könnte es sagen?«

»Bitte, lieber Freund,« sagte der Advokat, sich jetzt in seiner Hängematte aufsetzend, »wollen Sie mir vielleicht vorher erklären, ob Sie über bedeutende Mittel verfügen, um einen längeren Prozeß durchzuführen? Hundert Dollars müssen vor allen Dingen einmal bei mir deponirt werden, nur um die ersten Ausgaben zu decken.«

»Ich besitze nicht einmal mehr hundert Dollars in meinem ganzen Vermögen,« sagte der Mexikaner finster, »jener Schuft hat mir ja Alles geraubt; aber wenn mir mein Recht zugesprochen wird –«

»Entschuldigen Sie einen Augenblick, daß ich Sie unterbreche. Habe ich den Fall folgender Art klar verstanden, daß Sie von Kalifornien, ohne Geld in der Tasche, hierher gekommen sind, um einen hier ansässigen Fremden anzuklagen, daß er an Ihnen in den kalifornischen Wäldern einen Raubmord verübt und Ihnen Alles abgenommen hat, ohne dafür weitere Zeugen und Beweise beibringen zu können, als Ihr Wort?«

»Das ist genau so der Fall,« sagte der Mexikaner; der Advokat fiel aber in seine Hängematte zurück, als ob er geschossen wäre, pfiff nur leise vor sich hin und sah nach der Decke hinauf.

»Und wollen Sie mir dazu verhelfen?« fragte der Mexikaner.

»Mein sehr verehrter Herr,« sagte der Rechtsanwalt, ohne aber seine Stellung im Mindesten zu verändern, »vorher erlauben Sie mir denn wohl die Frage an Sie zu richten: Halten Sie mich für verrückt?«

»Aber wenn ich, was ich sage, auf die Hostie beschwören kann?« rief der arme Teufel. »Trag' ich denn nicht die Narbe jener Wunde, die mir sein schweres Messer geschlagen, auf dem Kopf?«

»Reden Sie keinen Unsinn,« bemerkte der Peruaner, »als vernünftiger Mann müssen Sie doch einsehen, daß Sie mit der Narbe weiter Nichts beweisen können, als früher einmal einen Hieb über den Kopf bekommen zu haben. Wo aber das geschehen ist und durch wen, mögen Sie selber wohl sehr genau wissen, werden aber keinen Richter davon überzeugen können.«

»Aber ist denn gar keine Gerechtigkeit in Peru?« rief der Mexikaner bestürzt aus. »Soll denn der Räuber das Gold behalten dürfen?«