»Gerechtigkeit genug,« erwiderte der Advokat. »Sie behaupten, das Geld gehöre Ihnen, er behauptet, es wäre das seine. Befände sich die Summe in den Händen des Gerichts, so bekämen Sie, aller Wahrscheinlichkeit nach, Beide keinen kupfernen Centabo davon. So hat es aber der Deutsche, und daß der gutwillig etwas davon herausgeben sollte, bezweifle ich – versuchen Sie's aber immerhin noch einmal, denn ohne die geringste Beweisführung können die Gerichte gar nicht gegen ihn einschreiten.«
»Und wenn er sich weigert?«
Der Advokat zuckte mit den Achseln.
»Und Sie wollen sich meiner nicht annehmen?«
»Lieber Freund, ich habe mich Eurer angenommen,« rief der Advokat, »und wenn Ihr nicht ein armer Teufel wäret, so bäte ich mir jetzt eine halbe Unze für die Berathung aus – aber ich will Nichts, als daß Ihr mich nun ungeschoren laßt, denn ich mag mit der Sache nichts weiter zu thun haben.«
»Dann muß ich mir selber helfen,« knirschte der Mexikaner zwischen den zusammengebissenen Zähnen durch.
»Das ist jedenfalls das Gescheuteste,« nickte der Advokat lächelnd vor sich hin, »aber auch zu gleicher Zeit ein etwas gefährliches Experiment. Seid Ihr kitzlich am Hals, amigo?«
Der Mexikaner antwortete nicht; er hatte ein paar Momente schweigend vor sich nieder gestarrt; jetzt drehte er sich plötzlich um und schritt der Thür wieder zu. »Buenos dias, Señor,« sagte er dabei. »Vielen Dank für den guten Rath – ich werde meinem Hals ganz besondere Vorsicht widmen. – Dios lo paga,« und damit verschwand er aus der Thür.
»Ja wohl,« brummte der Advokat vor sich hin, »Dios lo paga – wenn der liebe Gott alle die Wechsel acceptiren sollte, die auf ihn gezogen werden, wäre er nicht allein allmächtig, sondern auch allbeschäftigt. – Lumpengesindel! Daß der Präsident nur so viel Vergnügen daran findet, die Fremden ins Land zu ziehen – wenn ich wie er wäre, hielt ich unsere Race rein – dann bliebe doch auch noch etwas zu verdienen,« und sich wieder lang ausstreckend, gab er sich bald ganz seiner Siesta hin.