Der Mexikaner verließ das Haus, aber nicht etwa, um nach des Advokaten Rath einen gütlichen Vergleich mit seinem Feind zu schließen, sondern sein Glück noch einmal auf der Polizei zu suchen, traf es aber dort nicht glücklich, denn Bockenheim war schon vor ihm da gewesen, und der eine Beamte fuhr den armen Teufel so wild an, als ob er ihn auf der Straße gefunden hätte. Er sollte sich auch selber legitimiren, ehe er einen Anderen, einen bis dahin unbescholtenen Mann eines Verbrechens zeihen wollte, und da er das nicht vermochte, wurde er bedeutet, binnen acht Tagen einen Nachweis zu bringen, womit er sich hier ernähre, oder die Stadt zu verlassen.

Damit durfte er gehen. Eine ganze Hölle aber von Wuth und Ingrimm im Herzen, und düsteren Gedanken folgend, wühlte seine Hand, während er über die Straße schritt, wild und trotzig in dem schwarzen struppigen Vollbart, daß ihm die Begegnenden scheu auswichen und ihm nachsahen, so lange sie ihm mit den Augen folgen konnten.

Er befand sich auch in der That in einer verzweifelten Lage; denn was er hier in Peru für Schutz von den Gerichten zu erwarten hatte, davon war ihm eben der vollgültige Beweis geliefert worden. Und was sollte er jetzt thun? Den Räuber in seiner eigenen Höhle aufsuchen und niederstechen? Damit hätte er allerdings seiner Rache genügt, aber für sich auch gar Nichts erreicht; denn es war nicht denkbar, daß er das Gold in seiner Wohnung liegen hatte. Aber selbst wenn das der Fall gewesen wäre, wie blieb ihm nachher Zeit darnach zu suchen? Und wurde er ergriffen, so konnte die Warnung des Advokaten zur Wahrheit werden.

Und in Güte? – Er traute dem Deutschen nicht – wenn er ihm aber nun anbot, die Hälfte des Raubes ungestört und als rechtmäßiges Eigenthum zu behalten, mußte er da nicht mit beiden Händen zugreifen? – Er wollte wenigstens den Versuch machen, und gestand er ihm selbst das nicht zu – dann Auge um Auge, Zahn um Zahn! Und mit dem Entschluß schritt er auf das nicht mehr ferne Haus des Deutschen zu. – Hier erwartete ihn aber eine Ueberraschung.

Kaum näherte er sich der kleinen, grün lackirten Thür, die hinein führte, als von der gegenüber liegenden Seite der Straße ein Polizeidiener, der dort vor einem Bilderladen gestanden hatte, auf ihn zu kam und ziemlich barsch sagte:

»Compañero, wollt Ihr einen guten Rath annehmen?«

»Como no, compañero?« erwiderte der Mexikaner eben nicht in besonderer Laune, »aber ich weiß nicht, daß ich Euch schon darum gebeten hätte.«

»Thut auch nicht nöthig,« lautete die Antwort. »Ihr seid doch der Mexikaner, wie?«

»Ob ich der Mexikaner bin, weiß ich nicht – ein Mexikaner bin ich gewiß. Weshalb?«

»Oh, nur wegen einer Kleinigkeit – wegen dem Hause da. Ich bin hierher gestellt, um Euch abzuweisen, wenn Ihr das erste Mal kommt, und Euch auf die Polizei zu schaffen, wenn Ihr den Versuch zum zweiten Mal machen solltet.«