»Aber ich habe mit dem Sennor da drinnen zu reden.«
»Ja, das glaub' ich Euch wohl,« lachte der Polizeidiener, »aber er nicht mit Euch, und nun tragt Euren Schatten in ein anderes Stadtviertel hinüber, hier habt Ihr Nichts mehr zu suchen.«
»Und wenn ich ihm selbst nur einen Vorschlag zur Güte zu machen hätte – es wäre vielleicht in zehn Minuten erledigt.«
»Er hat mir besonderen Auftrag gegeben, Euch unter gar keinem Vorwand zu ihm zu lassen. Was Ihr von ihm wollt, das sollt Ihr vor den Gerichten anbringen – und so gehört sich's auch, also helfen Euch keine weiteren Redensarten, und nun vamos nos, denn ich möchte hier nicht länger bei Euch in der Sonne stehen bleiben.«
»Also er verweigert jeden weiteren Verkehr mit mir?«
»Na ja, nun fangt Ihr noch einmal von vorne an! Ich dächte doch wahrhaftig, ich hätte deutlich genug gesprochen. Laßt Ihr Euch noch einmal hier am Hause sehen, so werdet Ihr beigesteckt. Habt Ihr das verstanden?«
»Ja wohl, amigo – es war nicht mißzuverstehen; also adios und einen vergnügten Abend auf der Promenade,« und damit rückte der Mexikaner seinen Hut und schritt rasch und trotzig die Straße hinab. –
Von dem Augenblick an ließ er sich nicht wieder in der Gegend der Stadt blicken, ja, er mußte Lima ganz verlassen haben, da ihn keiner der Polizeileute selber nachher mehr zu Gesicht bekam. Bockenheim war übrigens gar nicht böse darüber, denn er behielt jetzt völlig freien Raum, um seine Vorbereitungen zu schleuniger Abreise zu treffen. Er übergab, wie ihm seine Frau gerathen hatte, seine ganze, ziemlich werthvolle Einrichtung einem bekannten Deutschen, der das dafür gelöste Geld dem ***schen Konsul überliefern sollte, und fuhr dann, ohne von irgend wem weiter Abschied zu nehmen, mit seiner Frau und seinem Gold nach Callao hinunter, von wo der englische Dampfer noch an demselben Tage nach Guayaquil, und von da weiter nach Panama abging.
Das war ein wonniges Gefühl, als die Räder des mächtigen Fahrzeuges erst zu arbeiten begannen, der scharfe Bug die Wasser theilte und das Boot das Land immer weiter und weiter zurückließ, bis sie endlich draußen, weit draußen in See auf der blauen Tiefe schwammen.
»Gott sei Dank!« murmelte er leise vor sich hin, als er vorn am Bug stand und mit leuchtenden Blicken die Schnelle beobachtete, mit welcher sich der Dampfer vom Hafen entfernte. »Gott sei Dank, und nun kann Don Felipe, wenn er wieder nach Lima zurückkommt, sich ein Vergnügen machen, mich dort aufzusuchen. Daß der Schuft auch –,« er murmelte das Uebrige nur leise durch die Zähne; denn selbst die neben ihm stehende Frau sollte nicht erfahren, nach welcher Richtung seine Gedanken abschweiften.