Auch weiche breite Blätter suchte er aus, um ein bequemes Lager zu bereiten, und schichtete sie dick unter dem Palmendach auf, so daß Bockenheim und seine Frau, wie sie nur erst ihr Gepäck an sich genommen und ihre Decken ausgebreitet hatten, so bequem und weich wie in einem Bette lagen.
Dabei sorgte der stumme Diener für Alles, bereitete ihnen das Abendbrod, zog sich dann auf sein eigenes Lager am äußersten Rand des Blätterdachs zurück, und hatte am nächsten Morgen ihre Maulthiere zuerst von allen beigetrieben und gesattelt.
In gleicher Art verbrachten sie das zweite Nachtquartier; dieser Tagemarsch war aber fast noch beschwerlicher gewesen, als der erste, denn ein wahrer Wolkenbruch entlud sich über die Höhen und wandelte die weiche Moorerde zu einem flüssigen Morast, so daß einzelne Maulthiere abgeladen werden mußten, um sie nur wieder aus den Sumpflöchern zu befreien, in denen sie eingesunken waren. Natürlich hielt das die ganze Karavane auf. Die einzelnen Reisenden durften sie doch nicht im Stich lassen, und wenn auch nicht mehr weit vom Chagresfluß entfernt, konnten sie ihn doch nicht an diesem Abend erreichen, und mußten zum zweiten Mal im Walde lagern.
Endlich am dritten Morgen kamen sie in Sicht des Stromes, und Pablo winkte hier seinem neuen Herrn, daß er nur bei dem Zuge bleiben solle, indeß er selber voraus eilte und ein Canoe für sie schaffte. Es gab allerdings eine Menge von Indianern in jener Gegend, die es einträglich gefunden hatten, sich mit dem Transport von Fremden zu befassen; aber es war doch immer besser, sich gleich von vornherein ein Canoe zu sichern, um nicht einmal der Möglichkeit ausgesetzt zu sein, in dieser Wildniß von den Uebrigen zurückgelassen zu werden. Jetzt nämlich, mit dem Strom vor sich, der sie in kurzer Zeit an die Küste bringen konnte, hätte Keiner mehr auf den Anderen gewartet. Es dauerte auch nicht lange, so kehrte Pablo zurück und winkte der Sennora, ihm nur zu folgen. Er mußte jedenfalls ein passendes Boot gefunden haben, säumte auch nicht lange, sondern nahm die Thiere und führte sie eine kurze Strecke stromauf, wo sie schon durch die dort offenen Büsche eine Lichtung mit einer Hütte erkennen konnten.
Dicht darunter lag ein nicht sehr großes, aber bequemes Canoe, das er für sie gemiethet zu haben schien. Der Preis dafür war allerdings, wie er in den Sand schrieb, eine Unze, also sechszehn Dollars, aber auch wieder nicht zu viel, wenn man bedachte, wie gerade dieser Volksstamm durch den zahlreichen Verkehr verwöhnt worden war, hohe Preise zu fordern. Bockenheim zahlte es auch mit dem größten Vergnügen; denn hatten sie doch jetzt die beschwerliche und sogar gefährliche Landreise hinter sich, und durften also hoffen, bald, recht bald das Ziel ihrer Reise zu erreichen. Einmal erst an Bord des Dampfers, und sie waren so gut wie zu Hause.
Und wie glücklich war bis jetzt Alles gegangen. Von Räubern hatten sie auch nicht die Spur unterwegs gesehen, noch weniger irgend eine Unbequemlichkeit von ihnen erlitten. Die Neu-Granadiensische Eskorte nahm hier, mit einer reichlichen Belohnung für die einzelnen Leute, Abschied von ihnen, um eine gerade stromauf gekommene Gesellschaft zurück zu eskortiren. Sie hörten auch hier, daß zwei Dampfer, der eine für New-York, der andere für San Thomas bestimmt, vor Colon lagen. Der amerikanische wartete also auf die San Francisco Mail, der westindische dagegen segelte gleich ab, und je eher sie deshalb hinab kamen, desto besser.
Wenn die Reisenden nun aber auch kein räuberisches Gesindel unterwegs und auf dem festen Land getroffen hatten, so war damit die Möglichkeit noch gar nicht ausgeschlossen, daß sich einzelne solcher Strolche auf dem Chagresfluß selber herumtrieben, und es blieb deshalb gerathen, die Canoes der verschiedenen Parteien dort ebenso zusammen zu halten, wie auf dem Lande ihre Maulthiere. Bockenheim wäre allerdings, da er am ersten mit Pablo's Hülfe reisefertig geworden, auch am liebsten voraus gefahren, denn der Boden brannte ihm hier unter den Füßen; Pablo selber aber rieth ihm durch Zeichen, zu warten, bis die Uebrigen sich ihnen anschließen konnten, und Mittag war es etwa, als sich die kleine Canoeflotte endlich in Bewegung setzte und mit der ziemlich starken Strömung rasch den Fluß hinabglitt.
Der Indianer, dem das von Pablo gemiethete Canoe gehörte, saß am Steuer oder ruderte vielmehr im Stern seines kleinen Fahrzeuges; vor ihm, seine Schätze zu seinen Füßen, saß Bockenheim, dann kam Pablo, der ebenfalls ein Ruder führte, um sie rascher vorwärts zu bringen, und vorn im Bug hatte er der Sennora noch kurz vorher, ehe sie aufbrachen, von breiten Bananenblättern und übergebogenen Bambusstäben ein kleines Zeltdach gebaut, das sie gegen die Strahlen der Sonne oder etwa eintretende Regenschauer vollkommen schützen konnte. Allerdings hatten sich noch einige Reisegefährten als Mitpassagiere gemeldet, weil sie dadurch billiger wegzukommen hofften; Pablo zupfte aber dann jedesmal seinen neuen Herrn verstohlen, um ihm abzurathen, und Bockenheim selber hatte seine besonderen Gründe, keine fremden Menschen in sein Fahrzeug zu nehmen. So blieben sie denn allein und führten auch, von den beiden kräftigen Rudern vorwärts getrieben, bald den ganzen Zug an.
Wie heiß aber die Sonne brannte – Bockenheim briet ordentlich in ihren Strahlen, und der aufmerksame Diener winkte endlich dem Indianer zu und schrie ihn in unartikulirten Lauten so lange an, bis dieser etwas seitab in den Schatten der über den Strom hineinhängenden Bäume hielt. Dadurch kamen sie allerdings aus der eigentlichen Strömung, und andere Canoes gewannen ihnen den Rang ab; aber was schadete das? Sie erreichten doch noch immer zur rechten Zeit die Mündung und konnten indessen wenigstens bequem im Schatten fahren.
Das Canoe aber, das Anfangs das erste gewesen, blieb jetzt mehr und mehr zurück. Pablo schien doch mit Maulthieren besser und geschickter umgehen zu können, als mit einem Ruder. Der Indianer zankte wenigstens ein paar Mal auf ihn ein, wenn er durch irgend ein Versehen den Bug des Fahrzeuges aus seiner Richtung und in irgend ein paar Zweigen oder aushängendem Holz fest brachte, was immer einen geringen Zeitverlust erforderte, um es wieder los zu bekommen. Er nahm aber solche Scheltworte ruhig und demüthig hin, und that nachher sein Bestes, um es wieder gut zu machen.