»Räuber und Mörder!« zischte er zwischen den zusammengebissenen Zähnen durch, »da nimm Deinen Lohn!« Und wie das Beil blitzschnell in die Höhe zuckte, fuhr es zurück und grub sich tief in die Stirn des Unglücklichen, der lautlos, nur mit einem dumpfen Röcheln, vornüber und zu seinen Füßen zusammenbrach.

Einen einzigen gellenden, markdurchschneidenden Schrei stieß die Frau aus, die das Entsetzliche kaum begriff. Aber sie sah den Schlag, der nach ihrem Mann geführt wurde, hörte den dumpfen Laut, als die Waffe seine Stirn traf, und sank ohnmächtig auf ihren Sitz zurück.

Weiter verlangte der Mexikaner Nichts, und sich um die Leiche zu seinen Füßen nicht mehr kümmernd, legte er das Beil wieder neben sich und ruderte dann, langsamer als vorher, den Fluß hinab, um die vorangegangenen Canoes nicht einzuholen. Nur dicht am linken Ufer hielt er sich, damit er von der eben verlassenen Landung nicht mehr gesehen werden konnte, und fühlte sich dabei vollkommen sicher, daß ihm von dort ab, ehe nicht ein Canoe vorüber kam, Niemand im Stande war zu folgen. Am Ufer hin, in Sumpf und Schlingpflanzen, wäre es unmöglich gewesen, den Weg zurückzulegen.

Kaum hatte er aber die nächste Biegung hinter sich und sah die Bahn auch vor sich frei, als er sich nach einem Platz umschaute, an welchem er, von dem Gebüsch versteckt, landen konnte; denn mit der Frau durfte er natürlich nicht nach Colon fahren. Eine solche Stelle zeigte sich auch bald. Dicht unterhalb einer Schlammbank hatte sich eine natürliche kleine Bucht gebildet, die auch jetzt weit genug von der zuletzt verlassenen Hütte ablag, um dort ein Hülferufen nicht mehr zu hören. Wohl durchzuckte ihn der Gedanke, auch die Frau des Verbrechers unschädlich zu machen; denn war sie todt, so konnte sie nicht mehr als Klägerin gegen ihn auftreten – aber er sträubte sich auch gegen den Mord eines Weibes – den Verbrecher hatte seine Strafe ereilt – sie selber trug keine Schuld, und rasch und geschickt lenkte er jetzt den Bug des Canoes mitten in die überhängenden Zweige hinein, und hatte es wenige Minuten später so sicher hinter dem Gebüsch verborgen, daß selbst ein vorbeifahrendes Canoe seinen Versteck nicht hätte finden können.

Die Frau lag noch in ihrer Ohnmacht, und er benutzte die freie Zeit, um den schweren Leichnam des Deutschen ans Land zu heben und zu untersuchen. Den Revolver und die Brieftasche nahm er an sich, das Gold, welches er bei ihm fand, legte er zurück ins Canoe. Das beendet, zog er dem Ermordeten die oberen Kleider aus, band ihm ein Seil, das er bei sich führte, um den Körper, befestigte das Ende desselben im Canoe und ließ dann den Leichnam wieder ins Wasser gleiten, damit die Frau, wenn sie sich erholte, nicht seiner ansichtig würde.

Das geschah indessen rascher, als er selber geglaubt, und wie furchtbar ihr Erwachen war, läßt sich denken. Aber die Angst lähmte ihre Zunge, denn sie sah sich mit dem Furchtbaren allein, und wußte nicht, was nun auch ihr Schicksal sein würde. Felipe bemerkte aber kaum, daß sie zur Besinnung zurückgekehrt sei, als er ruhig sagte:

»Sennorita, Sie haben für sich Nichts zu fürchten, wenn Sie sich still verhalten und nicht wahnsinnig genug sind, Hülfe herbeirufen zu wollen, wo keine zu bekommen ist.«

»Aber mein Mann – mein Mann!« stöhnte die Arme.

»Er war ein Schurke!« rief der Mexikaner finster, »und alles Gold, das er mit nach Peru gebracht, nur der Raub, den er mir abgenommen, als er mich meuchlings im Kalifornischen Walde überfiel. Er hat seine Strafe erhalten – die Alligatoren des Chagres verzehren jetzt schon ihre Beute.«

»O mein Gott! O mein Gott!« winselte die arme Frau, »und was wird jetzt aus mir?«