Die Meisten sammelten sich auch bei dem alten Bockenheim, denn obgleich in den letzten fünf Jahren noch zwei andere kleinere groceries oder Kaufläden geöffnet worden, hatte man sich doch an den Deutschen, einen der ältesten Ansiedler der Fourche la Fave, gewöhnt, und außerdem sollte auch die eigentliche Versammlung in der unmittelbaren Nähe seines Hauses stattfinden, zu der sogar ein Major der Secessionisten herüber gekommen.
Man lebte einmal wieder in dem bisher so todten Städtchen und der Whisky floß. Allerdings war es nicht mehr möglich, diesen von Norden herunter zu beziehen, woher sonst der beste Mohongahela kam, denn der Strom war sowohl von den Nord- als Südstaaten blokirt worden und selbst auf jedes kleine Boot wurde geschossen, das den Versuch machen wollte, sich hindurch zu schleichen. Aber in Arkansas wußten sie sich, was wenigstens diesen Gegenstand betraf, zu helfen, denn überall entstanden kleine Brennereien, wobei noch die Heintzesche den besten Stoff lieferte. Von diesem war ein frisches Faß angezapft worden, und die jungen Leute vom Fourche-la-Fave hatten sich schon darum gesammelt, als die County-Straße herunter, von zwei »Sesesch«-Officieren (Secessionisten) begleitet, der Major auf einem prächtigen Rappen angesprengt kam, und vor Bockenheim's Thür sein muthiges Roß einzügelte.
»Hallo Major!« rief ihm Einer der jungen Burschen zu, indem er ihm zugleich den vollen Becher entgegenhielt – »how do you swop horses (wie wollt Ihr Euer Pferd vertauschen) gegen den Grauen dort, der an den Hickory angebunden steht?«
»Mein junger Freund,« sagte der Major, nicht im Geringsten durch die Frage beleidigt, denn sie war etwas zu Allgewöhnliches – »wir brauchen jetzt alle unsere guten Pferde selber, denn die verdammten Abolitionisten laufen so rasch, daß man sie mit alten Kracken gar nicht einholen kann.«
»Oho Major,« lachte Jim Jenkins, ein Farmerssohn, dessen Vaters kleine Ansiedelung unmittelbar am Arkansas lag – »so sehr schnell können sie doch nicht laufen, wenigstens nicht so weit, denn Washington liegt doch dicht bei Virginien, und bis dahin haben sie Euch noch nicht gelassen.«
»Weil wir dort Nichts zu holen hatten, Jim,« rief Hendricks, ein junger Mann vom Petite Jeanne, der aber auch schon die Uniform der Secessionisten trug und – wie er Anderen erzählte – nicht blos ein paar der blutigsten Schlachten mitgemacht, sondern auch ein paar Dutzend Abolitionisten mit eigener Hand erschlagen hatte. »Was sollten wir in Washington? Das leere Weiße Haus besetzen? Das Lumpenvolk hat es ja schon vollständig ausgeräumt, und selbst die Bevölkerung der Stadt ihre beste Habe in Sicherheit gebracht. Wohin wir kommen wollen, dahin kommen wir auch – und wenn wir jetzt Alle richtig zusammenhalten, rücken wir ihnen im nächsten Monat nach New-York hinein, und da giebts nachher Beute, denn Lee hat uns fest versprochen, daß wir dort plündern sollen.«
»Bah, wir sind keine Räuber,« sagte Jim finster, »daß man suchen sollte, uns damit anzulocken. Wer hier her kommt zu uns, um uns zu belästigen, gegen den stehen wir zusammen – was kümmern uns die Kaufläden in New-York?«
»Muß eine verwünscht gemeine Seele sein,« rief da ein anderer, John Wells, der Sohn eines der besten Jäger am Fourche, der sich aber an politischen Dingen nie betheiligte und still und zurückgezogen auf seiner Farm lebte – »der in einem solchen Krieg von Plündern spricht – verdient daß man ihm die Uniform vom Leib risse.«
»Dazu gehört ein Mann!« rief Hendricks, zornig auffahrend.
»Gott verdamm Dich, hier steht er!« schrie John, in dem Augenblick auch sein eigenes Jagdhemd abwerfend, um die Arme frei zu bekommen, indem er Hendricks gegenüber sprang – »stell' Dich bereit, mein Junge, und wahr' Deine Nase –«