»Ihr wollt doch, um Gottes Willen, den Knaben nicht drüben allein lassen, wenn die Jayhawker das Haus überfallen?« rief Boyles erschreckt.
»Allerdings will ich das, aber sorgt Euch nicht deshalb. Bill und ich werden das schon in Ordnung bringen. Ueberlaßt das mir. Ich habe mein Leben eingesetzt, des Vaters niederträchtigen Mord zu rächen, der Knabe setzt das seine mit Freuden dafür ein, deß seid versichert – laßt mich nur mit ihm sprechen. – Noch eins, Boyles – habt Ihr Kienholz drüben an Eurem Haus?«
»Nein – was wollt Ihr damit? Kienholz wächst ja nicht drüben im Bottom.«
»Hier liegt genug,« sagte Klingelhöffer – »was wollt Ihr damit?«
»Ich erkläre Euch Alles nachher, vorher aber muß ich mit Bill sprechen,« und ohne den Männern weiter zu antworten, ging Jenkins hinaus, um den Bruder aufzusuchen und die nöthige Abrede mit ihm zu nehmen.
Sechstes Kapitel.
Der Hinterhalt.
Bill Jenkins war noch fast ein Kind, aber Kinder in jenen wilden Wäldern aufgezogen, wo sie schon täglich nicht selten sechs oder acht Miles allein durch den Wald reiten müssen, um nur zum Schulhaus zu gelangen, sind nicht mehr das, was sie, in unseren Verhältnissen aufgewachsen, sein würden. Der kleine Bill, der kaum eine Büchse tragen konnte, war schon ein ganz vortrefflicher Schütze, und wenn er auch eine Holzgabel mit in den Wald nehmen mußte, um die Waffe beim Schießen aufzulegen, so hatte er doch in seinem neunten Jahr schon ganz allein einen großen Panther im Wald erlegt und sogar einmal einen Bären so verwundet, daß ihn sein Vater nachher mit den Hunden einholen und erlegen konnte. Es mag sein, daß er sich der Gefahr, die er dabei lief, nicht recht bewußt gewesen, aber er würde sie auch trotzdem nicht geachtet haben, und auch jetzt ging er mit Freuden und vollem Eifer auf des Bruders Plan ein, ja jubelte laut auf, als er erfuhr, daß er selber etwas mit dazu beitragen solle und könne, den verruchten Mördern ihre That heimzuzahlen. Es bedurfte auch keiner langen Erklärung, denn er begriff im Augenblick, was man von ihm verlange und brannte jetzt selber vor Begier, den an seinem Vater verübten Mord gerächt zu sehen.
So lange es Tag war, durften sich aber die Männer – denn die von Perryville herübergekommenen erboten sich augenblicklich Theil an dem Unternehmen zu haben, da sie selber ja ebenso durch die immer mehr wachsende Bande bedroht blieben – nicht über den Strom einschiffen, da man nicht wissen konnte, ob die Jayhawker nicht etwa das Ufer überwachen ließen. Mit einbrechender Dunkelheit waren sie aber fertig gerüstet, und da der Mond etwa um sieben Uhr aufging, behielten sie auch reichlich genug Zeit, um ihren Versteck zu erreichen. Klingelhöffer, der sie nicht selber begleiten konnte, da ihn sein Kreuz immer noch plagte, und der auch sein Haus, bei solcher Nachbarschaft, nicht ganz ohne Schutz lassen wollte, drang ihnen aber noch, ehe sie gingen, Lebensmittel auf, die sie allerdings anfangs nicht mitnehmen wollten; er hatte aber ganz Recht, wenn er sagte, sie wüßten gar nicht, wann die Schurken kämen, und ob sie nicht vielleicht vierundzwanzig Stunden in ihrem Versteck liegen müßten, und wenn sie dann genöthigt wurden, nach Eßwaaren auszuschicken, konnten sie Alles verderben.
Das Skiff mußte zwei Mal gehen, um Alle hinüberzubringen, und das zweite Mal fuhr die jüngste Tochter vom Haus mit, um es zurückzunehmen, damit es die Jayhawker nicht vielleicht zufällig fänden. Sie betraten auch die Lichtung gar nicht, auf welcher die Häuser standen, sondern schritten, von Jenkins geführt, quer und so geräuschlos als möglich durch den Wald, bis sie den besprochenen Platz, am Rand eines dichten Schilfbruchs erreichten, und nun hier im Stockfinsteren allerdings nichts thun konnten, als den Aufgang des Mondes abzuwarten.
Der kam aber bald, und Jenkins, der indessen schon den Uebrigen seinen ganzen Plan mitgetheilt hatte, ging jetzt mit ihnen scharf an die Arbeit, um die wenigen, aber doch nöthigen Vorbereitungen zu treffen.