Ein Wunder war es nicht, denn Jim wie John, die sich jetzt unausgesetzt schon lange Monate im Wald oder doch auf den verschiedenen Straßen herumgetrieben, sahen eben wild genug aus, um ihnen selbst das Schlimmste zuzutrauen, und die Aengstlichsten in dem kleinen Städtchen, das zum großen Theil für den Augenblick von waffenfähigen Männern geräumt war, befürchteten schon den indeß verabredeten Ueberfall einer größeren Bande, von der dies möglicher Weise die Vorläufer sein konnten.
Beide Freunde übrigens, mit keiner Ahnung, daß man sie hier in einem solchen Verdacht haben konnte, erkundigten sich, sobald sie den Ort erreichten und sich plötzlich unter lauter Fremden befanden, ob kein Amerikaner im Ort wäre und wurden nach einem der nächsten Häuser zu einem alten Mann – und zwar einem der ersten Ansiedler hier, gewiesen.
Und hielt sich hier ein Mr. Rollridge auf? so sollte sich des Pflanzers Sohn genannt haben, von dem ihnen der Neger erzählte.
Die Leute, an welche die Frage gerichtet wurde, sahen sich unter einander an, gaben aber keine directe Antwort darauf, sondern erwiederten nur, daß die Fremden bei Mr. Warner, wie der alte Mann hieß, wohl Alles, was sie zu wissen wünschten, erfahren könnten. – Und woher sie selber kämen? – Aus dem Wald, – wohin sie wollten? – sie wüßten es noch nicht, – sie wären Leute, die sich nach einem Platz zur Niederlassung umsähen.
Das sagte ein Jeder, dem daran lag keine genaue Auskunft über sich zu geben, aber Warner war, ebenso wie Friedensrichter im Ort, auch ein alter gescheuter Bursch, der ihnen schon auf den Zahn fühlen würde und dem konnten sie das Weitere deßhalb ruhig überlassen.
Jenkins wie Wells jedoch, wie sie sich nur kurze Zeit mit ihrem älteren Landsmann unterhielten, fanden bald, daß sie es mit einem einfach schlichten Mann zu thun hatten, dem sie aus dem Zweck ihrer Reise kein Geheimniß zu machen brauchten. Warner schüttelte aber den Kopf, als sie ihren Verdacht gegen Rollridge äußerten. Er hatte selber dessen Vater gekannt, und die Befürchtung lag hier in Blumenthal außerdem nahe genug, daß sogar Rollridge, als er den Platz habe verlassen wollen, ermordet oder sonst zu Schaden gekommen sei. Er hatte wenigstens sein nächstes Ziel – eine bestimmte Farm am Colorado, nie erreicht und man wisse dabei, daß er ziemlich viel Geld mit sich führte.
Wieder also waren sie vergebens eine so endlos weite Strecke gewandert, wieder ihre Hoffnungen getäuscht worden und Jenkins selber fing an, der Verfolgung müde zu werden. Hier erfuhren sie außerdem, daß der Krieg vollständig beendet sei, und wie sollten sie jetzt, mit all den entlassenen Soldaten, die sich über die Staaten zerstreuten, noch irgend eine bestimmte Spur verfolgen können.
Warner selber sprach dabei die feste Ueberzeugung aus, daß die Räuber, die hier in der Nachbarschaft ihr Wesen trieben, jedenfalls dem mexicanischen Stamm angehörten. Mr. Rawlins, wie der Amerikaner hieß, dessen Schwiegervater gerade als letztes Opfer gefallen, war übrigens ein ganz tüchtiger Mann und, wie er erklärt hatte, fest entschlossen, diesmal alle seine Kräfte aufzubieten, um die Mörder auszuspüren und zu bestrafen, und sie durften also hoffen, daß der überdies starke Zug nicht so ganz unverrichteter Sache zurückkehren würde. Jedenfalls hatten sie die Unbill lange genug geduldet, und es müßte ihr einmal ein Ende gemacht werden.
Und was nun? – Jim machte seinem Freund den Vorschlag nach Haus zurückzukehren. Hatten sie dabei Glück, so konnten sie Hendricks ebensogut in der, wie in jeder anderen Richtung antreffen, hatten sie aber keins, nun dann half es ihnen auch Nichts, wenn sie den weiten Staat noch länger, bald nach der, bald nach jener Himmelsgegend durchkreuzten. Wenn Hendricks ihnen aber auch jetzt noch entging, später erfuhren sie doch vielleicht einmal seinen Aufenthalt und dann war ihr Rachewerk wohl aufgeschoben, aber wahrlich nicht aufgehoben gewesen.
John Wells schien anfangs keine rechte Lust dazu zu haben, aber er mußte dem Freund doch auch Recht geben, daß sie in dieser Art wenig Aussicht auf Erfolg hätten. Er war ebenfalls müde geworden und die beiden jungen Leute beschlossen deshalb, nicht einmal die Rückkehr der Ausgezogenen abzuwarten, sondern gleich wieder nach Arkansas aufzubrechen.