Das litt aber der alte Warner nicht, der, wie sich im Gespräch herausstellte, Wells Vater gekannt, und selber einmal hier in Texas eine Weile mit ihm gejagt hatte. Er wollte die beiden Freunde wenigstens nicht wieder fortlassen, bis sie sich erst ordentlich ausgeruht, und dazu fanden sie im ganzen weiten Staat keinen besseren Platz als gerade Blumenthal.
John Wells fand an einem solchen, wie er meinte, zwecklosen Aufenthalt, kein sonderliches Behagen, Jenkins selber aber redete ihm zuletzt zu, ein paar Tage auf die hiesige Umgegend zu verwenden, die ihm wenigstens außerordentlich gefiel. Das Land war reich, das Klima schien gesund, Wild gab es ebenfalls ziemlich viel in der Nachbarschaft, und an dieser Gegend hafteten doch nicht für sie so trübe Erinnerungen, als an ihrer bisherigen Heimath, in der sie Alles an die erlittenen Verluste mahnte.
Warner unterstützte ihn lebhaft darin und erbot sich auf das Bereitwilligste, sie in den nächsten Tagen selber in der ganzen Nachbarschaft herumzuführen. Es gab noch ein reizendes Thal in kaum zwei Miles Entfernung von der kleinen Stadt, in dem bis jetzt kein Baum gefällt, kein Acker Land aufgenommen war, und er sprach seine feste Ueberzeugung aus, daß sie in sämmtlichen Staaten kein freundlicheres Fleckchen Erde finden könnten. – Und eine Uebersiedelung hierher? – Lieber Gott, die hatte für einen Backwoodsman auch nicht die geringste Schwierigkeit, denn ihr ganzer Hausstand konnte leicht auf einem kleinen Karren, ja oft sogar auf ein paar Pferden fortgeführt werden. Jedenfalls wollten sie den Platz erst einmal sehen und ein Entschluß stand ihnen ja dann immer noch frei.
Die nächsten Tage verwandten sie auch in der That dazu, so viel als möglich von der Umgegend zu sehen und kennen zu lernen. Die Nachbarschaft der Deutschen gefiel dem jungen Jenkins ebenfalls, denn er hatte am Fourche-la-Fave schon viele von diesen kennen lernen und lieb gewonnen. Ihm selber behagte der ganze Distrikt ungemein und wenn auch John Wells noch keine besondere Neigung dafür zeigte, konnten sie sich das ja noch immer unterwegs überlegen, und nachher mit den Ihrigen besprechen. Zu übereilen war eben Nichts an der Sache.
Am vierten Tag standen endlich ihre bis dahin vollkommen ausgeruhten und ordentlich aufgefütterten Pferde bereit, und die alte Mrs. Warner packte ihnen gerade noch ein tüchtiges Stück Wildpret und Fleisch ein, weil sie unmittelbar in der Nähe der Ansiedlung doch wohl nicht viel zu jagen finden würden, als draußen auf der Straße plötzlich ein wunderlicher Lärm gehört wurde, der rasch ihre Aufmerksamkeit erregte und sie vor die Thür lockte.
Die ausgezogenen Männer waren zurückgekehrt. Warner's Sohn ritt gleich darauf am Hause vor und erzählte ihnen, daß sie von den Räubern selber allerdings keine Spur, wohl aber den Leichnam des alten Deutschen gefunden hätten, der, mit einer einzigen Kugel gerade durch den Kopf, nicht weit von dem Pferd ab unter einem Maulbeerbaum gelegen hatte und nur mit Laub und Reisig zugedeckt gewesen war. Nur durch die Aasgeier wurden sie auch auf den Platz aufmerksam, an dem sie sonst jedenfalls vorüber geritten wären.
Und war Rawlins mit ihnen zurückgekehrt?
Ja – aber nach Hause geritten, um sich umzuziehen und dann seine Braut und Schwiegermutter zu trösten.
»Du lieber Gott,« seufzte Mrs. Warner, die mit gefalteten Händen vor ihrer Hausthür gestanden und den traurigen Bericht gehört hatte – »da kommt das arme Mädchen – wie blaß und elend sie aussieht – das ist freilich ein schwerer Tag für sie. – Habt Ihr denn die Leiche mitgebracht?«
»Es war nicht mehr möglich,« sagte der junge Warner – »wir mußten sie gleich an Ort und Stelle begraben. Arme Catharina – sie wird wohl schon alles erfahren haben. Tröstet Ihr sie, Mutter, ich mag ihr jetzt lieber nicht begegnen,« fuhr er fort, und schritt in das Haus hinein.