Das junge Mädchen kam näher – sie sah bleich und angegriffen aus und schien auch die beiden fremden jungen Leute gar nicht zu beachten, oder nur zu sehen. Still und lautlos schritt sie auf Mrs. Warner zu und als diese ihr mitleidig die Hand entgegenstreckte, lehnte sie ihr müdes Haupt an die Schulter der alten Frau und ohne daß eine Klage über ihre Lippen gekommen wäre, liefen ihr die großen Thränen an den Wangen nieder.

Catharine Fischer war eines der schönsten Mädchen im ganzen Ort und manche der jungen deutschen Farmerssöhne hatten sich schon um sie beworben, aber alle ohne Erfolg, bis sich der junge fremde Amerikaner, wie im Sturm und in ganz kurzer Zeit ihr Herz gewann und von den Eltern – die freilich lieber einen deutschen Schwiegersohn gesehen hätten – angenommen wurde. Jetzt hatte sie dieser Schlag mitten in ihr junges Leben getroffen, und zwar ein Schlag wie aus heiterem Himmel, ungeahnt, unvorbereitet.

Jim Jenkins stand, die Zähne fest aufeinander gebissen, neben ihr. Hatte er denn nicht den nämlichen Schmerz zu tragen, denselben Verlust erlitten, wie das arme Kind da, und war denn Jammer und Sünde in solcher Art über das schöne Land hereingebrochen, daß solches Elend nur allein alle guten Menschen traf und die Verbrecher immer ungestraft entkommen sollten? – War das himmlische Gerechtigkeit, wie es ihnen die herumziehenden Prediger vorreden wollten? Blut überall, wohin ihr Fuß trat – heimtückisch und feige aus dem Hinterhalt vergossenes Blut, und die Mörder frei da draußen in der schönen sonnigen Welt.

Er trat zu seinem Pferd, um sich die Zügel zurecht zu legen – er wollte fort – Schmerz und Ingrimm genug trug er im eigenen Herzen, ohne das fremde Leid auch noch mit anzusehen, als er sich plötzlich angerufen hörte.

»Hollo Jim – Wetter noch einmal Mann, wo kommst Du her – und John auch – welcher Wind hat Euch nach Texas geblasen?«

Jim sah überrascht auf und erkannte einen alten Kriegsgefährten aus einem Indiana-Regiment, mit dem sie drüben über dem Mississippi gemeinsam gekämpft und zusammen nach Little Rock gezogen waren.

»Oh Peters – wie kommst Du nach Texas? Ich glaubte, Ihr stündet noch in Little Rock?«

»Nein – wir sind ausbezahlt und abgelöst worden,« antwortete der junge Mann, indem er auf die Freunde zutrat und ihnen die Hände schüttelte.

»Und wo kommst Du jetzt auf einmal her?«

»Waren nur zusammen, um die verdammten Mörder aufzusuchen, die sich hier schon seit einiger Zeit herumtreiben,« lautete die Antwort, »sind aber unverrichteter Sache wieder zurückgekehrt. Weiß der Henker wo die Schurken stecken mögen. Aber wo wollt Ihr hin?«