»Welches? Das da drüben – das große Fahrzeug der Weißen, das an Eurer Küste liegt.«

»O das,« meinte der Dolmetsch gleichgültig; »altes Schiff, liegt schon viel lang drüben – weiß es nicht.«

Der Steuermann hätte nun darauf schwören wollen, daß das verunglückte Fahrzeug noch gar nicht etwa so lange da drüben liegen konnte, denn die Malerei daran sah viel zu frisch dafür aus, und von Verwitterung war keine Spur zu erkennen. Aber er merkte auch wohl, daß der Bursche nichts gestehen wollte oder durfte, und mochte selber nicht gleich Neugierde verrathen, um keinen Verdacht zu erwecken. Traten sie erst mit dem Volk hier in einen näheren Verkehr, so fand sich auch wohl einmal eine Gelegenheit, um das Wrack zu besuchen, wenigstens dicht hinan zu laufen, und dann getraute sich der Seemann auch schon nähere Daten darüber selber herauszufinden. Bis dahin war es weit gerathener, vorsichtig zu Werk zu gehen.

Ihr Führer schritt indessen nicht direkt auf ihr Boot zu, das sie schon von Weitem erkennen konnten, sondern bog etwas mehr rechts ab, und zwar einem wunderlich gestalteten, hohen und spitzen Hause zu, das sich nur dadurch von den übrigen Wohnungen unterschied, daß es fest verschlossen schien und keine offene Thüre zeigte.

Der Doktor war einige Schritte dicht an der Umzäunung desselben hingegangen und näherte sich jetzt einem eigenthümlichen, fest überdeckten Vorbau, als er plötzlich erschreckt zur Seite fuhr, denn fast unmittelbar neben ihm stieß ein Löwe sein heiseres Gebrüll aus.

Die Eingebornen lachten und auch der Steuermann amüsirte sich über den Satz, den der Doktor machte; übrigens war er selbst zusammengefahren, denn hier, mitten im Dorf, hatte er keine solche Bestie erwartet, die da jedenfalls hinter dem Palissadenwerk gefangen gehalten wurde. Sie waren jetzt auch gerade über ihrem Boot angekommen, das etwa hundert Schritt von ihnen entfernt unten am Strand lag, als ihr Führer vor diesem Löwenzwinger stehen blieb und dort hineindeutend sagte: »Ihr glaubt nicht, Fremde, daß unser König Waaren hat, um mit euch zu handeln. Seht, was da drinnen aufgeschichtet liegt. Ihr wäret nicht im Stande, auch nur die Hälfte davon zu kaufen.«

»Hoho, mein Bursche!« sagte der Doktor, der sich eigentlich schämte, vorhin eine plötzliche Schwäche gezeigt zu haben, aber das Gebrüll war auch zu unerwartet und aus zu unmittelbarer Nähe gekommen: »und was hättet Ihr da?«

»Jedenfalls Sachen, die werthvoller sind als Eure Geschenke,« grinste der Schwarze. »Seht nur hindurch.«

Die Fremden trauten nicht recht; hinter dem Gitter schritt der Löwe umher, und der Doktor bemerkte jetzt auch dicht daneben eine wohl starke, aber doch nur hölzerne Thür, die allein von zwei breiten Holzriegeln verschlossen gehalten wurde und in den Zwinger führte. Aber was konnte ihnen geschehen? und wenn er auch nicht recht begriff, welche Kostbarkeiten der Löwenkäfig enthalten könne, trat er doch mit dem Steuermann dicht an die Palissaden und sah hindurch.

»Alle Teufel!« rief da der Seemann plötzlich; »Doktor, was meint Ihr – da drin läge Fracht für uns.«