Der Steuermann sah ihn erstaunt an und begriff nicht, was er wolle, der Doktor mußte aber jedenfalls seinen Grund dafür haben, und sich an den Dolmetsch wendend, sagte er: »Unter den Umständen wird es am Besten sein, gleich an Bord zurückzufahren und das Werthvollste herauszusuchen, was wir haben, damit wir Deinen König zufrieden stellen. Wir sind als Freunde hierhergekommen, und ich hoffe, wir sollen als Freunde mit einander verkehren. Aber da unten sehe ich Früchte, könnten wir wohl einige davon mit an Bord nehmen? Wir haben eine lange Fahrt gehabt, und nichts Grünes unterwegs gefunden,« und dabei schritt er, von dem Matrosen dicht gefolgt, zum Boot hinunter.

»Gewiß,« nickte der Dolmetsch, der sich an seiner Seite hielt. Der Doktor blieb dabei ein paar Schritte zurück, als der Junge dicht an ihn hinanglitt und zugleich im reinsten Englisch flüsterte: »Rettet uns – gefangen – vom Schiff...« In demselben Moment aber auch und gerade als sich der Dolmetsch nach ihm umdrehte, sprang er nach vorn, auf diesen zu und sagte irgend etwas in seiner Sprache.

Der Schwarzbraune blickte ihn zornig an, und sah bald auf ihn, bald auf den Doktor, da dieser aber mit der gleichgültigsten Miene von der Welt ein paar hier auf dem Sand liegende Muscheln aufhob und aufmerksam betrachtete, schien sein plötzlich gefaßtes Mißtrauen zu schwinden.

»Ich muß zum König,« sagte er zum Steuermann, »wartet für einen Augenblick, ich werde Euch Früchte schicken; gebt den Leuten Taback dafür – aber keinen Branntwein – er ist streng verboten und nur der König darf ihn trinken,« und damit, die Weißen sich selber überlassend, rief er dem Knaben einige Worte zu und eilte, diesen am Arm fassend, mit ihm zu seines Oberhauptes Wohnung zurück.

Wie gerne hätte der Doktor noch Weiteres von dem jungen Burschen gehört, aber er sah auch ein, daß das nicht möglich sei, ohne augenblicklich Verdacht zu erregen und jede Aussicht auf Erfolg abzuschneiden. Dem Steuermann theilte er aber jetzt mit, was ihm der Junge zugeflüstert, und dieser rief, seine rechte Faust in die linke flache Hand schlagend: »Ob ich es mir denn nicht gedacht habe? Mit dem Wrack da ist faul Spiel gewesen, und uns wollen sie jetzt bloß kirre machen, um uns nachher ebenso zu bedienen.«

»Und die Elephantenzähne sind auch nicht alle aus dem Land gekommen, Sir,« sagte der junge Matrose, der daneben stand. »Zwei davon, das hab' ich deutlich durch das Gitter gesehen, waren mit Schiemanns-Garn zusammengebunden, und Schiemanns-Garn haben sie nur an Bord von Schiffen.«

»Gar nicht unmöglich,« nickte der Seemann, »das Fahrzeug kann schon recht gut an der Küste gekreuzt und Elephantenzähne eingehandelt haben, und das hat dieser schwarze Heide jetzt Alles in seinem Waarenlager aufgeschichtet.«

»Aber was nun?«

»Dort kommen die Früchte,« sagte der Steuermann, »die wollen wir erst einnehmen, und dann so rasch als möglich an Bord zurück, um dem Kapitän Bericht abzustatten. Hol's der Teufel, wir müssen doch wenigstens einen Versuch machen, vielleicht sogar unsere Landsleute zu retten, und geht das nicht, ei dann laufen wir nach dem Kap hinunter und schicken ein Kriegsschiff her, denn ungestraft sollen sie sich beim Himmel nicht an einem Fahrzeug der Weißen vergriffen haben.«

Das Gespräch war hier abgebrochen, denn allerdings kamen jetzt Eingeborne mit Früchten heran, erst einzeln und dann immer mehr. Der Steuermann hielt sich aber nicht lange auf, hatte auch nicht genug Waaren bei sich, um mit ihnen einen großen Tauschhandel zu eröffnen. Nur den Ersten nahm er, was sie brachten, ab, und gab ihnen Tabak dafür, dann sprangen die Männer wieder in ihr Boot und ruderten, so scharf sie konnten, in See hinaus, um den ihnen schon wieder entgegenkommenden Schooner zu erreichen.