Der Steuermann schien etwas Aehnliches zu befürchten, denn er gab Befehl, das Segel einzunehmen und zu den Rudern zu greifen. Sie blieben dadurch weit besser Herr ihrer Bewegungen und konnten, wenn es sein mußte, gleich zurück, oder wenigstens in freies Wasser halten. Mit ihren Feuerwaffen wehrten sie dann schon leicht jeden etwaigen Angriff ab. Sonderbarerweise bekümmerten sich aber die Leute am Ufer fast gar nicht um sie, nur ein Platz wurde freigehalten, wo sie landen konnten, und zwar durch Bewaffnete, und die Seeleute sahen jetzt, daß sich Alles um das Gitter oder die Verpallisadirung drängte, um dort hineinzuschauen.

In diesem Augenblick erschien der Dolmetsch an der Landung, und es kam dem Steuermann fast so vor, als ob er über den so frühen Besuch der Weißen etwas verlegen sei – sie waren keinenfalls schon erwartet worden – und was bedeutete das Klagen und Jammern der Weiber? Der Doktor mußte jedenfalls wissen, was da vorgegangen wäre, und frug den Burschen direkt deßhalb. Dieser aber sagte ausweichend: »O nichts – schlechte Menschen giebt es immer – Diebe – bei den Schwarzen, wie bei den Weißen – aber Zambiri ist ein großer und strenger König.«

»Alle Teufel!« rief der Steuermann erschreckt aus, »sie haben doch nicht etwa wieder dem Löwen einen Menschen hineingeworfen?«

»Bloß einen Dieb,« versicherte der Dolmetsch, »hatte dem König Taback stehlen wollen, verdammter Sklave. – Aber da kommt Zambiri – er hat Euch gesehen – bringt nur an Land, was Ihr mitgebracht habt, damit er nicht ungeduldig wird.«

Zambiri schien in der That dem entsetzlichen Schauspiel als eine Art von Morgenvergnügen beigewohnt zu haben. In seinen rothbaumwollenen Königsmantel gekleidet, noch schmutziger und wilder als gestern aussehend, und den Knaben wieder an seiner Seite, der ihm einen großen schweren Speer tragen mußte, kam er eine Leiter heruntergestiegen, die, wie der Doktor jetzt erst bemerkte, oben zu einer Art von Balkon führte. Auf dem hohen Land aber blieb er stehen, er ging nicht bis an das Boot hinunter und verlangte, daß die Weißen zu ihm hinauf kommen sollten.

Der Steuermann hatte keine rechte Lust dazu, er traute dem schwarzen Fleischklumpen nicht über den Weg.

»Wozu habt Ihr alle die Leute mit den Lanzen da stehen?« frug er mürrisch den Dolmetsch, »wir sind friedliche Händler und wollen keinen Krieg mit Euch. Wir sind auch nur Wenige und Ihr Hunderte.«

»Wenn Du Dich fürchtest, weßhalb bist Du zu uns gekommen?« sagte der Schwarze finster, »wir sind auch Freunde der Weißen und wollen Euch keinen Schaden thun.«

»Und wo kommt das Schiff her, dessen Rumpf da draußen liegt?« sagte der Doktor.

»Was geht Dich das Schiff an?« brummte der Dolmetsch; »Zambiri wartet. Wenn ich Euch rathen soll, macht ihn nicht ärgerlich.«