»Hol's der Henker, Mate,« sagte der Doktor, »wir sind einmal dazu hergekommen, und müssen die Sache nun auch ausbaden. Furcht sollen uns die schwarzen – Gentlemen doch wenigstens nicht vorwerfen. Laßt den Koffer hinaufschaffen und Seiner Wohlbeleibtheit die Sachen vorlegen; ich denke, dann wird er schon freundlich werden. Hier unten können wir doch nicht liegen bleiben.«
»Meinetwegen,« sagte der Seemann, »aber,« setzte er leise hinzu, »seid auf der Hut, und bei dem geringsten Zeichen von Verrath nur so rasch als möglich zum Boot hinunter. Dort wollen wir uns schon freie Bahn halten.«
»Und wo habt Ihr die Sachen?«
»Laßt ein paar von Euren Leuten anfassen und sie hinauftragen.«
»Und können das nicht Eure Leute thun?« frug der Dolmetsch.
»Ich will Dir was sagen, mein Bursche,« rief aber nun der Steuermann, jetzt ebenfalls ärgerlich werdend, »die bleiben als Wache im Boot, und wenn Ihr Eure jungen Leute nur dazu braucht, um wilde Bestien damit zu füttern, so laßt sie meinethalben oben. Das ist das Kurze und Lange von der Sache.«
Der Dolmetsch stand einen Moment unschlüssig, aber Zambiri brüllte ihm etwas in seiner Sprache zu, und er gab jetzt rasch ein paar Burschen den Befehl die mitgebrachten Sachen aus dem Boot zu nehmen und zum König hinaufzubringen. Das geschah auch ungesäumt, denn mit dem regierenden Herrn schien heute nicht zu spaßen; er hatte seinen bösen Tag, und es war besser, ihm rasch zu Willen zu sein. Mit den Geschenken durften aber auch die Weißen darauf rechnen, eine freundliche Aufnahme zu finden, und Steuermann wie Doktor schritten jetzt langsam neben dem ziemlich schweren Koffer her, um den Inhalt desselben dem Oberhaupt des Stammes vorzulegen.
Merkwürdig sah der Mensch aus, als er dort aufrecht vor ihnen stand, und der Doktor gestand sich, etwas Scheußlicheres und Unförmlicheres nie im Leben gesehen zu haben. Er war selber nicht übermäßig groß, aber wenn er den Arm ausstreckte, konnte der Wilde recht gut darunter durchgehen, ohne anzustoßen, und Beine sah man dabei fast gar nicht an dem Fleischklumpen, während der eine ausgestreckte Arm, der die Lanze hielt und sich daran stützte, reichlich so dick und fleischig schien, wie ein starkes Bein.
Der Ausdruck seines dicken, geschwollenen Gesichts verrieth auch keinen freundlichen Gedanken und seine Augen flogen mürrisch und trotzig zugleich über die Weißen und schweiften dann von ihnen nach dem Schooner hinüber, der jetzt deutlich unten an der Mündung der Bucht erkennbar war. Da der Steuermann aber keine Zeit verlor und den Koffer rasch öffnete, heiterte sich seine Miene doch etwas auf, denn er mußte wohl sehen, daß ihm die Fremden heute würdigere Geschenke gebracht, als gestern.
Er ließ eine Decke auf die Erde breiten und die Gegenstände darauf legen, und fegte dabei eigenhändig den Platz mit seiner Lanze frei, daß ihm sein eigenes Volk nicht zu nahe rückte. Er traute ihnen wahrscheinlich nicht, und doch mochte sie wohl nur die Neugierde heranpressen, denn die Strafe folgte hier, wie sie eben gesehen, dem Vergehen auf dem Fuße. Zu gleicher Zeit unterhielt sich Zambiri fortwährend mit dem Dolmetsch in seiner eigenen Sprache, oft selbst mit unterdrückter Stimme, und dieser ging dann langsam zu dem Boot hinab, wobei er angelegentlich mit Einigen der Leute sprach.