Dem Doktor gefiel das nicht, und er behielt den Burschen, so viel das irgend anging, im Auge, konnte aber weiter nichts Auffälliges oder Verdächtiges erkennen; ja die Zahl der Bewaffneten in ihrer Nähe schien sich sogar zu verringern, und er bemerkte, wie kleine Trupps von ihnen langsam am Ufer hinabschritten und sich dann in den Büschen verloren. Nur ein Theil der Mädchen und Frauen waren noch bei ihnen geblieben, während das Wehgeheul der Anderen jetzt aus dem Dickicht von Fruchtbäumen heraustönte, das den Platz umschloß, und wo wahrscheinlich ihre Wohnungen lagen.

Im Ganzen mochten vielleicht vierzig »Krieger« zurückgeblieben sein, die hinter und um den König in einzelnen Gruppen standen, und jedenfalls seine Beiwache bildeten.

Der Dolmetsch kam jetzt zurück, und da der König auch wohl die mitgebrachten Gaben zur Genüge gemustert hatte und befriedigt schien – er grunzte wenigstens ein paar Mal still vergnügt vor sich hin – befahl er zweien von seinen Leuten, den Koffer in sein Haus zu tragen, und es begannen nun die Verhandlungen über ein etwaiges Geschäft, wobei der Steuermann erklärte, daß sie einzelne Stücke der Dinge, welche sie gesonnen wären, gegen Elfenbein oder andere Produkte auszutauschen, mitgebracht hätten und dem Häuptling vorlegen könnten.

»Aber wo sind sie?« frug dieser rasch.

»Unten im Boot.«

»Und weßhalb bringt Ihr sie nicht herauf?«

Der Steuermann hatte wohl mit Recht vermuthet, daß der Schwarze Alles, was ihm dort auf die Uferbank gebracht wurde, als Geschenk betrachten und mit Beschlag belegen könne. Er bat deßhalb den Dolmetsch, Seine Majestät zu veranlassen, mit ihm hinunter zum Boot zu gehen, aber der Dicke wollte nicht. Zwei Boten waren schon abgeschickt gewesen, und kamen jetzt mit dem Löwenfell herbei, das sie dort für ihn ausbreiteten, und worauf er sich niederließ, und nun verlangte er, daß ihm die Sachen heraufgebracht und vorgelegt würden, dann wolle er bestimmen, was er dafür geben könne.

Dem Steuermann schien das unbequem, denn alles weiter Mitgebrachte lag lose, oder nur in Stücken Segeltuch eingeschlagen in ihrem Boot, und schickte er Schwarze hinunter, um es herauf zu holen, so war er vor ihren diebischen Händen nicht sicher. Wo sie irgend etwas bei Seite schaffen konnten, thaten sie es gewiß und an wen sollte er sich nachher halten, wie die Thäter herausfinden? Das Beste war immer – denn daß der Dicke jetzt nicht von dieser Stelle zu bringen war, sah er ein – zwei von seinen eigenen Leuten damit zu betrauen. Es blieben immer noch vier im Boot und sie selber dann in zwei gleiche Trupps getheilt. Die Eingebornen zeigten sich dabei so friedlich, daß an eine Gefahr wohl kaum zu denken war, ja es schien fast, als ob der König die übrigen Soldaten nur weggeschickt habe, um ihnen auch jede Befürchtung eines Verraths zu nehmen. Außerdem brauchten sie nur wenige Schritte zum Boot hinab und die gerade ausgehende Ebbe erleichterte ihnen die rasche Verbindung mit dem Schooner ebenfalls.

Der Doktor übernahm es, die Leute herauf zu bringen, und der Dicke schien indeß geduldig die Ankunft derselben zu erwarten. Brooks bemerkte nur, daß die rechts von ihm stehenden Soldaten etwas bei Seite treten mußten, um ihm die Aussicht nach dem unteren Theil der Bucht zu gestatten, wo der Schooner, der bis dahin auf und abgekreuzt war, fest auf einem Punkt zu liegen schien. Er mußte vor Anker gegangen sein, da die stark ausgehende Ebbe und der beinahe eingeschlafene, hier wenigstens von dem höheren Land gebrochene Wind ihm das Segeln wohl unmöglich machte. Der Dolmetsch sprach indessen angelegentlich zu ihm, während Zambiri nach dem Boote sah. Wo hatte jener Bursche auch nur sein Englisch gelernt? Doch sicher auf irgend einem Schiff, dem er nachher davongelaufen, um hier wieder die Sitten und ungezwungene Tracht seines Landes anzunehmen. Dem Steuermann gefiel sein Gesicht auch nicht im Mindesten, und Bosheit wie Trotz lag zugleich darin, während sich der ganze Ausdruck desselben, sobald er mit dem Dicken sprach, in knechtische Unterwürfigkeit verwandelte. Aber es half nichts, sie brauchten ihn eben, und mußten deßhalb mit ihm verkehren, denn der kleine Bursche, jedenfalls ein Sklave des Königs, der den Doktor ebenfalls englisch angeredet hatte, schien sich heute gar nicht an sie heran zu getrauen und blieb nur immer scheu und furchtsam hinter seinem Herrn sitzen, kannte doch der arme kleine Bursche den grausamen Charakter des Mannes gut genug.

Jetzt kehrte der Doktor mit den beiden Matrosen, die einen Theil der Waaren trugen, zurück und der Steuermann breitete sie, während der Dolmetsch die Unterhandlung leitete, vor dem König aus und pries ihm den Werth der Dinge. Bei ihm war, mit der Voraussicht auf einen guten Handel, der Yankee wieder zum Durchbruch gekommen, und er vergaß in dem Geschäft alles Andere.