»Ei, zum Henker!« rief da der Kapitän plötzlich aus, indem er stehen blieb und sich gegen den Doktor wandte, »was geht uns denn hier die ganze Bande an, ob sie ihren König wieder haben wollen oder nicht; wir können ihn keinenfalls gebrauchen und seinethalben auch keine Stunde länger an der Küste bleiben. Zimmermann, nehmt Euch einmal zwei Leute in die kleine Jölle und setzt mir den Fettfleck an Land – mir wird übel, wenn ich das Ungethüm sich da noch länger wälzen sehe.«
»Und der Junge, Kapitän, soll der auch wieder mit fort?«
»Wenn er will, meinetwegen.«
Der Knabe hatte der für ihn verhängnißvollen Frage mit augenscheinlichem Erschrecken gelauscht, jetzt aber warf er sich vor dem Kapitän nieder und bat in so angstgepreßten Tönen, nicht wieder jenem grausamen Manne überliefert zu werden, daß der Seemann endlich sagte: »Gut, da bleib', ich hab' nichts dagegen, aber nun auch rasch, daß wir den dicken Burschen von Bord kriegen. Bindet ihn los, Zimmermann, und sag' ihm, mein Junge, daß er an's Ufer soll; nachher mag er sehen, wie er selber mit seinen Leuten fertig wird.«
Der Befehl wurde rasch ausgeführt; während die Leute den abgesetzten König losbanden, sagte ihm der Knabe, daß er frei sei und an Land gehen könne; dann schnürten sie ihm ein Tau um den Leib, ließen ihn wieder in's Boot hinunter und wenige Minuten später ruderten sie den Koloß zum Ufer hinüber.
Jetzt aber band sie auch nichts mehr an die Küste, und dem Kapitän lag selber daran, so rasch als möglich wieder fortzukommen. Noch während die Jölle unterwegs war, wurde das andere größere Boot an Bord genommen und der Anker gehoben, und indeß der Kapitän die dazu nöthigen Befehle gab, stand der Doktor an der einen Want, das Teleskop am Auge, und sah nach der Landung hinüber, um zu beobachten, wie König Zambiri von seinen treuen Unterthanen empfangen werden würde.
Die Eingebornen am Ufer hatten sich indeß zum großen Theil zerstreut, denn sie hielten nach ihrer gegebenen Erklärung die Sache wahrscheinlich für abgemacht. Ein Theil von ihnen war aber doch noch zurückgeblieben, um den Schooner und dessen Abfahrt zu überwachen, und diese wurden jetzt plötzlich aufmerksam, als sie das Boot noch einmal zur Küste zurückkehren sahen. Was es enthielt, vermochten sie freilich nicht gleich zu unterscheiden, da man den Schwarzen auf der ihnen entgegengesetzten Seite des Schooners niedergelassen; aber vorsichtig näherten sich die zuerst Gesandten wieder dem Strande. Da verrieth ihnen das rothe, jetzt freilich arg zerrissene Oberhemd ihres früheren Königs Zambiri vor der Zeit dessen Anwesenheit, und einen lauten Schrei ausstoßend liefen sie zu den Ihrigen zurück, um ihnen wahrscheinlich die Entdeckung mitzutheilen.
Jetzt kam Leben in den Schwarm. Der Doktor bemerkte, wie nach allen Seiten Leute abgeschickt wurden, die pfeilschnell über den Boden schossen, indeß die Schaar der Bewaffneten mit ihren Lanzen und Schilden näher zum Strand hinunterrückte. Dem Zimmermann wurde auch, wie er später erzählte, nicht ganz wohl im Boot, und es lag ihm gar nichts daran, den jetzt jedenfalls gereizten Eingebornen zu übermäßig nahe zu kommen. Darin begünstigte ihn aber die indessen stark eingetretene Ebbe; gleich unterhalb bemerkte er einen etwas weiter auslaufenden Sandstreifen, auf den er augenblicklich zuhielt, und hier bekam Zambiri die Ordre, wie nur der Kiel den Sand berührte, auszusteigen und seinen Weg allein fortzusetzen – was schadete es auch, wenn er mit seinen bloßen Beinen nasse Füße bekam.
Zambiri schien keine rechte Lust zu haben, denn das ganze Benehmen seiner Unterthanen am Ufer mochte ihm ebenfalls nicht gefallen – aber es blieb ihm keine Wahl, denn weit mehr fürchtete er an Bord zurückgeschafft zu werden. Er stieg aus, im Nu schoß das dadurch fast um die Hälfte seines Gewichts erleichterte Boot wieder zurück in tiefes Wasser, und Zambiri, den zerfetzten rothen Mantel um die Schultern, stand an der Spitze der Sandbank und starrte nach dem Ufer hinüber.
Das Boot hielt sich nicht auf; rasche kräftige Ruderschläge brachten es zum Schooner zurück, und während es dort eingehakt und an der Seite aufgezogen wurde, kam auch der Anker herauf und der Bug der Sarah Miles schwang langsam mit der Strömung herum der offenen See entgegen.