»Was ich Dir sage – unsere Noth hat nun aufgehört – ich habe Glück, viel Glück in den Minen gehabt – unserer Zwei trafen eine enorm reiche Stelle – aber das Alles erzähle ich Dir später. – Was will der Bursche da?«

Während er noch sprach, war ein Peon auf der Schwelle der weit offen stehenden Thür erschienen und sah in's Zimmer herein.

»Die Sennorita hat einen Mann verlangt, um ihr Gepäck fort zu tragen.«

»Ach ja – bueno –« rief der Zurückgekehrte »du, guter Freund, schultert einmal die Sachen und tragt sie in das amerikanische Hôtel – oder wir gehen besser gleich mit, denn hier haben wir doch wohl Nichts weiter zu thun, Schatz, wie?«

»Es ist Alles fort, selbst der letzte Stuhl –«

»Also gänzlicher Ausverkauf,« lachte der Mann, »desto besser, dann werden wir auch durch Nichts mehr gehindert – vamos nos, companero, vamos nos« – und damit gab er seiner Frau den Arm und schritt mit ihr die Treppe hinab, die Vorstadt entlang und dann über die Brücke, immer die Hauptstraße nieder und hinter dem Peon mit ihren Sachen her, bis sie das Hôtel erreichten, wo er augenblicklich zwei Zimmer und ein gutes Diner für sie bestellte.

Die Frau ging wie in einem Traum an seiner Seite; sie fühlte kaum, wie ihre Füße den Boden berührten. War denn das Alles wirklich wahr, und der Mann, den sie schon lange todt geglaubt und in Verzweiflung aufgegeben, nicht allein zurückgekehrt, sondern auch reich, mit Schätzen beladen? Wie ein Märchen klang's ihr in den Ohren und sie bemerkte dabei gar nicht, daß die Leute, denen sie unterwegs begegneten, fast immer stehen blieben und dem etwas wunderlichen Paar nachschaueten.

Und es war in der That ein wunderliches Paar für einen heißen, sonnigen Tag in Lima. Der Mann trug einen alten breiträndrigen und chokoladenfarbigen Filzhut, einen dicken, blau und roth gestreiften Poncho, und dazu mexikanische, an den Seiten herunter offengeschlitzte Sammethosen mit kleinen silbernen Knöpfen daran. Die Frau an seiner Seite ging dabei in echt deutscher Handwerkertracht mit einem langen, braunen, etwas abgenutzt aussehenden Kattunkleid, ohne Steifröcke darunter, einem rothwollenen Tuch um, und einem Hut, von dem man eigentlich nicht sagen konnte, daß er hier aus der Mode gekommen, denn er war in Lima wohl noch niemals Mode gewesen. Auch die Blumen darauf sahen zerknickt und schmutzig aus, und so viel die Frau auch wohl früher auf ihre Toilette gegeben hatte, und so nett sie sich gehalten: jetzt, mit den Sorgen der letzten Zeit im Herzen, schien sie Alles vernachlässigt zu haben, und dachte auch in diesem Augenblick wahrlich an Nichts weniger, als an ihre abgetragenen Kleider.

In dem ziemlich großartigen Hôtel betrachteten sich die Kellner das sonderbare Paar ebenfalls ziemlich erstaunt und schienen nicht übel Lust zu haben, sie etwas über die Achseln zu behandeln; als aber der Mann, nicht etwa höflich, sondern mit barschem Ton »Zwei Zimmer vorn heraus und vor Allem eine Flasche Champagner und dann so rasch als möglich ein gutes Diner« bestellte, wurden sie aufmerksamer. Der Mann mußte Geld haben oder er wäre höflich gewesen, und er wurde jetzt, trotz seinem unscheinbaren Aeußeren, pünktlich bedient.

Oben aber, in dem elegant möblirten freundlichen Gemach, dem Champagner, der der Frau ebenfalls trefflich mundete, gar wacker zusprechend, saß der von Kalifornien zurückgekehrte glückliche Miner und erzählte, nur erst einmal in flüchtigen Umrissen, seine Abenteuer: Wie er Anfangs, und wohl anderthalb Jahr hindurch, mit eisernem Fleiß und unermüdlicher Ausdauer gearbeitet und ein Loch nach dem andern gegraben habe, immer und immer aber wieder getäuscht, immer wieder auf neue Hoffnung angewiesen worden. Ja, er verdiente sich, was er eben zum Leben brauchte, aber auch nicht mehr – Gold gab es ja überall. Da machte er endlich die Bekanntschaft eines Mexikaners, der großes Vertrauen zu den nördlichen Minen hatte. Mit dem war er an den Yubafluß gegangen, und dort in einer der Ravinen, die noch wahrscheinlich kein weißer Mann entdeckt, trafen sie plötzlich auf ein Goldlager, wie sie es bis dahin nicht für möglich gehalten. Stücke fanden sie dort, so groß wie die Wallnüße, und einzelne größer, die wie in einem geschmolzenen und dann erkalteten Zustand vor Jahrtausenden vielleicht in der kleinen, engen Schlucht herabgewaschen waren.