Dort arbeiteten sie, von Niemandem gestört, ja von Niemandem bemerkt, heimlich und versteckt sechs volle Monate, bis sie die ganze Goldader, so weit das wenigstens anging, ausgebeutet hatten. Dann kauften sie sich Maulthiere unten in Yubacity, einem kleinen Goldwäscherdorf, holten die indeß vergrabenen Schätze ab, luden sie auf und zogen damit nach Sacramento hinunter, von wo sie dann mit dem Dampfschiff nach San Francisco gingen. Von hier aus kehrte der Mexikaner in sein eigenes Vaterland zurück, und er selber ging an Bord des ersten nach Panama abfahrenden Dampfers, um von dort wieder mit dem südlichen vapor so rasch als irgend möglich Peru zu erreichen. Deshalb war es ja auch gar nicht möglich gewesen, vorher zu schreiben, denn die erste Gelegenheit, die sich dazu bot, um rasch einen Brief zu senden, benutzte er, und er hätte einen solchen nur selber mitnehmen, nie aber vorher hierher befördern können.
Der armen Frau kam es die ganze Zeit, während der Mann sprach, genau so vor, als ob sie irgend eine wunderbare Geschichte in einem Buche läse, aber keine Möglichkeit vorhanden wäre, daß das Alles sie mit betreffen könne und das Gold, das viele Gold, das ihr Mann mitgebracht, ja doch nun auch ebenso gut ihr gehöre und sie damit reiche und vornehme Leute geworden wären.
»Aber wo hast Du das viele Gold, Casper?« frug sie ihn endlich, »doch nicht bei Dir?«
»Bei mir?« lachte der Mann, indem er eine Handvoll großer goldener Doublonen aus der Tasche nahm und ihr vorhielt, »so ein paar Stück kann man schon bei sich führen, aber ich möchte das Ganze wahrhaftig nicht auf der Schulter tragen.«
»So viel ist es?«
»Nun natürlich – Gold wiegt schwer, mein Kind – und ich konnte mich damit doch nicht in der ganzen Stadt herumschleppen, bis ich Dich da draußen, im äußersten Winkel von Lima, aufgesucht? Es steht in zwei kleinen Koffern sicher in einem Handlungshaus, das ich von früher kannte. Jetzt will ich Dir aber wenigstens die Proben des Mitgebrachten zeigen.«
Damit stand er auf, schloß erst vorsichtig die Thür zu und schnallte sich dann einen ledernen langen Sack von den Hüften ab, dessen Inhalt er vor den erstaunten Augen der Frau ausschüttete.
Du lieber Gott! einen solchen Reichthum hatte sie bis dahin gar nicht für möglich gehalten – und was für große schwere Stücken dabei waren, und wie wunderlich geformt! – Und das sollte erst der kleinste Theil des Ganzen – nur eine Probe sein? Ihr Mann packte aber die Stücke wieder zusammen, denn draußen klopfte es, und der Kellner frug sehr artig durch die Thür, ob die lady und der gentleman jetzt zu speisen wünschten.
Das Essen wurde gebracht, aber nach Tisch ging der frühere Schuhmacher augenblicklich daran, den Koffer seiner Frau zu revidiren, um zu sehen, was sie an Kleidern und Wäsche habe, und was sie Neues brauchen würde. Da sah es freilich bös aus – sie brauchte fast Alles neu, denn das Wenige, was sie noch hatte, war so abgenutzt, daß ihr der Mann augenblicklich erklärte, damit könne sie nicht mehr auf der Straße erscheinen. Der heutige Abend sollte denn auch dazu benutzt werden, alle die nöthigen Einkäufe zu machen, und nachher konnten sie dann in aller Ruhe überlegen, ob sie vor der Hand noch hier in Lima bleiben oder ohne Weiteres nach Deutschland zurückkehren sollten. Gegen den letzteren Plan sprach sich aber Madame Bockenheim auf das Entschiedenste aus. War ihr Mann wirklich so reich, dann hielt sie es auch für nöthig, den Leuten hier in Lima, die sie selber so oft über die Achsel angesehen, zu zeigen, was sie könnten, und daß sie jetzt im Stande wären, sich den »Besten« an die Seite zu stellen. Was lag auch daran, ob sie sich hier einmal ein halbes Jahr einmietheten?
Das war nun freilich ein Festtag für die Frau, wie sie ihn nie in ihrem ganzen Leben für möglich gehalten, als sie an dem Abend mit ihrem Gatten durch all' die großen, herrlichen Läden gehen und dabei aussuchen durfte, was ihr Herz begehrte. Da war auch Nichts zu kostbar. Wo sie nur halbwegs Bedenken hatten, sowie ihr Mann nur merkte, daß es ihr gefiel, ließ er es augenblicklich bei Seite legen, zahlte dann die Rechnung in Doublonen und beorderte es in ihr Hôtel.