»Buenos dias, Don Gaspár – ich sehe, Ihr kennt mich noch, obgleich ich ein paar Monate an der Wunde das Lager hüten mußte.«

Casper Bockenheim stierte ihn noch immer an, als ob er einen Geist gesehen hätte; er brauchte Minuten lang, um sich zu sammeln, behielt aber doch so viel Besinnung, daß er dem Peon zuwinkte, das Zimmer zu verlassen. Er mußte mit dem Mann allein sein. Dieser schien das auch ganz in der Ordnung zu finden und ließ indessen seinen Blick in dem höchst eleganten und reich ausgestatteten Raum umher fliegen, wobei er nur langsam und wie, als ob er eine Vermuthung bestätigt erhalten, mit dem Kopf nickte. Aber er sprach kein Wort weiter; es war, als ob er jetzt erst eine Anrede des Deutschen abwarten wollte, zu der er ihm völlig und ungestört Zeit ließ.

Das war insofern gefehlt, als er diesem dadurch auch völlig Raum gab, sich von seiner ersten Ueberraschung zu erholen, und Bockenheim schien Gebrauch von der Gelegenheit zu machen.

Sein finsterer Blick maß den Mexikaner, der ihm übrigens ganz unbefangen gegenüber stand, und jetzt sogar, als wenn er hier zu Hause wäre, zu einer dort stehenden Cigarrenkiste trat und sich eine Havana herausnahm.

»Ah Don Gaspard,« lachte er dabei, »Ihr raucht jetzt feine puros! Wißt Ihr wohl noch, wie wir auf dem Wege nach Macalome alle Taschen umdrehten, um ein wenig Taback für eine Cigaretta darin zu finden?«

»Mit wem habe ich das Vergnügen?« sagte da der Deutsche trocken, indem er den unwillkommenen Gast mit finster zusammengezogenen Brauen betrachtete. »Sie müssen jedenfalls in ein falsches Haus gerathen sein, Sennor.«

»Caramba,« lachte der Mann und drehte sich rasch nach ihm um. »Ihr kennt mich wohl nicht mehr? Wahrhaftig, wenn mein Gedächtniß zum Teufel wäre, sollt' es mich nicht Wunder nehmen; denn der Hieb, den Ihr mir damals über den Kopf gegeben, hätte einem anderen Menschen wahrscheinlich den Hirnkasten von einander gesprengt. Aber wie Ihr seht, habe ich mich vollständig wieder erholt und befinde mich, den Umständen nach, wohl, während Ihr Euch,« setzte er mit einem Blick umher hinzu, »besser zu befinden scheint.«

»Dürft' ich fragen, was Ihr von mir wollt, Sennor?« sagte der Deutsche trocken. »Ich habe nicht viel Zeit und noch weniger Lust, mich lange mit Euch abzugeben.«

»En verdad, Señor?« lachte der Mexikaner. »Nun gut, dann werde ich Euch mit einem Wort sagen, was ich will: Geld! – Das Geld will ich, das Ihr mir damals, als Ihr mich bei Macalome meuchlings überfielt und für todt im Walde liegen ließet, abgenommen. Habt Ihr mich verstanden?«

»Ich verstehe so viel,« sagte der Deutsche, »daß Ihr jedenfalls wahnsinnig sein müßt; denn ich habe Euch in meinem ganzen Leben noch nicht gesehen, und die Beschuldigung ist deshalb eine niederträchtige Lüge!«