»Na was suchst Du Schatz?« sagte der Wirth, der ihn kopfschüttelnd betrachtet hatte, »Deine Brieftasche?«
»Nein, die ist da,« rief der Hutmachergesell – »aber mein Geld – zehn Thaler 17½ Silbergroschen.«
»So?« lachte der Blatternarbige, »einen ganzen Abend zechen und die Gesellschaft traktiren und den Mädels Geld schenken und dann soll am anderen Morgen auch noch die Baarschaft vollständig beisammen sein – wäre nicht übel. Einen solchen Geldbeutel wünschte ich mir auch.«
»Ja aber,« stammelte Hasenmeier, »hab' ich denn Alles bezahlt?«
»Soweit es reichte, ja,« lautete die Antwort, »drei Mark zehn Schilling bist Du aber noch schuldig, mein Bursch, und wenn Du die nicht zahlen kannst, werde ich indessen Deine neuen Stiefeln als Pfand behalten.«
Zacharias Hasenmeier saß, die Hände gefaltet, auf dem Bettrand und starrte wie verloren vor sich hin. Fortwährend schüttelte er dazu mit dem Kopf, und so wenig er im Anfang begriffen haben mochte, wie Alles zusammenhing, kam er doch jetzt endlich zu der Ueberzeugung, daß er der unglückseligste wasserdichte Hutmachergesell wäre, der je einer Pappelallee Fährten eingedrückt. Er machte allerdings einen Versuch seinen Unwillen und sogar einen Verdacht zu äußern, daß vielleicht nicht Alles mit rechten Dingen zugegangen sei, aber der Wirth wurde, nur bei der geringsten Andeutung dahin, so furchtbar grob, daß er das bald in Verzweiflung aufgab.
Und jetzt? – der Wallfischfänger, die »Seeschlange« war allerdings schon an dem Morgen ausgesegelt; wäre er aber auch noch vor Anker gelegen, Hasenmeier hatte, mit der Erinnerung an das Ausgestandene, alle Lust zur Seefahrt und zu fremden Ländern verloren und dankte sogar noch Gott, als er später in Hamburg selber Arbeit fand, um zuerst seine Stiefeln wieder auszulösen und dann neues Reisegeld zu verdienen. Von Schiffen wollte er aber Nichts mehr wissen und hütete sich von da an ganz besonders keiner Matrosenkneipe wieder zu nahe zu kommen.
Das Hospital auf der Mission Dolores.
Californische Skizze.
Es ist eine allbekannte Thatsache, daß viele Kirchen und Klöster, die nur gebaut wurden, um Gott darin anzubeten, ihrem ersten, frommen Zweck nicht immer erhalten werden konnten und die verschiedenste, oft nichts weniger als heilige Verwendung fanden. Besonders in Kriegszeiten geschah das häufig, wo die festen Mauern der Gotteshäuser wie die steinernen Einfassungen der Kirchhöfe als Festungen und Verschanzungen benutzt wurden; aber auch selbst im vollen Frieden trifft man hier und da Tempel und Kapellen, zu denen kein Küster oder Sakristan mehr die Schlüssel führt, sondern ein Markthelfer, weil man sie eben in Lagerhäuser oder Keller umwandelte.
Bei Buenos-Ayres besuchte ich einst, noch zu Rosa's Zeiten, ein in der unmittelbaren Nähe der Stadt gelegenes altes Kloster, das der Dictator einem Stamm der Pampas-Indianer zum Wohnort und zugleich zu einem halben Gefängniß angewiesen hatte, und in der Kapelle selbst lagerten die wilden, halbnackten Gestalten der braunen Krieger, während der Altar noch die Ueberreste einer, wohl zerrissenen und in Fetzen niederhängenden, aber reich gestickten Decke trug. Das Außerordentlichste in dieser Art fand aber doch wohl mit der dicht bei San-Francisco gelegenen californischen Mission Dolores statt; denn so urplötzlich wurde nach der Entdeckung des Goldes das Land von Einwanderern überschwemmt, und so rasend schnell folgte Schiff auf Schiff, daß die Anlangenden gar nicht gleich untergebracht werden konnten und alle Winkel und Räume schon vorhandener Gebäude füllten.