Das alte Missionsgebäude, das bis dahin still und einsam in wenig mehr als einer Wüste, und etwa drei englische Meilen von San-Francisco, der Hauptstadt des Landes, ab gelegen, entging denn auch dieser Umwandlung nicht.

Es war ein mächtiges Gebäude, aus ungebrannten Backsteinen aufgebaut und mehrere Stockwerke hoch, einen großen geräumigen Hof umschließend, während in der Front nach der Bai zu die Kirche selber lag. Das ganze übrige kasernenartige Haus hatten aber bis dahin nur eigentlich drei Menschen bewohnt: der Geistliche, dessen alte Haushälterin, und eine Art Factotum des katholischen Pfarrers, ein Deutscher – und welche Veränderung brachten da wenige Monate zu Stande!

Kaum war das Gold entdeckt und die Nachricht von jenen fabelhaften Schätzen zu gleicher Zeit fast über alle Welttheile verbreitet worden, als die Einwanderung begann, und das benachbarte Mexico und die Vereinigten Staaten zuerst ihre Schaaren hinüber sandten. Dann folgten die Bewohner der Westküste und Sandwich-Insulaner, dann Australier und Europäer, und selbst die Chinesen schwärmten herüber, um ihren Theil von dem Gold zu holen, und reiche Leute zu werden.

In San-Francisco sammelte sich natürlich Alles, aber nicht Jeder führte Zelt oder Wohnung mit, und nun mußte die Nachbarschaft ebenfalls unterbringen, was sie unterbringen konnte, da die einsetzenden Regen ein Lagern im Freien nicht mehr gestatteten. – Was wurde da aus dem alten Missionsgebäude!

Unten in einem der Flügel errichtete ein Deutscher eine Brauerei, mauerte einen Kessel ein und fing an zu kochen. In der vorderen Flanke, zunächst der Kirche, setzte sich ein Amerikaner fest und etablirte eine Restauration, wobei er es bald zweckmäßig fand, eines der alten, großen und öden Zimmer zu einem Tanzsalon umzuwandeln, in dem dann allwöchentlich ein paar Fandangos gehalten wurden.

Hierauf folgte ein Sohn der »grünen Insel« – ein Ire, der an die andere Seite noch eine gewöhnliche Branntweinkneipe setzte, und der Priester mußte es sogar geschehen sehen, daß eine chilenische alte Señora mit fünf jungen Damen, aber keinen Nonnen, in das alte Kloster einzog und nicht wieder zu vertreiben war.

Aber noch nicht genug. Von Buenos-Ayres war ein portugiesischer Arzt nach Californien gekommen, der in San-Francisco ein Hospital gründen wollte, dort aber keinen Platz fand und sich nun ebenfalls auf die Mission angewiesen sah.

Er ritt hinaus, um mit dem Priester eine Verabredung zu treffen, fand ihn aber nicht mehr, denn dem würdigen Herrn war der Lärm doch zu bunt geworden, da sich in den letzten Tagen auf der einen Seite ein Schwarm Indianer, und dicht unter seiner eigenen Wohnung auch noch eine Rotte von Mexikanern eingenistet, die des draußen niederstürzenden Regens wegen gar nicht mehr fortzubringen waren.

Anfangs hatte er, um sich die Lästigen aus seinem eigenen Hause zu halten, und nicht im Stande Gewalt anzuwenden, eine Anzahl Processe angestrengt, aber nur zu bald sollte er die traurigen Folgen derselben kennen lernen, denn er fiel dadurch einer ganzen Schaar von Geiern in die Hände, die alle Zahlung von ihm wollten, ohne daß sie das Geringste für ihn ausgerichtet hätten. Da wurde ihm der alte Platz zu warm, und eines Morgens war er spurlos verschwunden.

Der portugiesische Doctor aber sah das als kein Hinderniß an. Da er Niemanden fand, der ihm ein Quartier vermiethen konnte, nahm er das Gebäude selber in Augenschein, fand die Bodenräume zu einer Aufstellung von Betten passend und quartierte sich dabei ganz ungenirt in der verlassenen Priesterwohnung ein. Er war ein praktischer Mann, der recht gut wußte, daß das Recht des Besitzenden in diesem Land schwer anzutasten blieb. Schon am nächsten Tag trafen auch eine Anzahl von Maulthieren mit Matratzen und wollenen Decken ein, während mit höchster Fluth ein paar Wallfischboote, mit einer Anzahl eiserner Bettgestelle befrachtet, den schmalen Canal, der die Mission mit der Bai von San-Francisco verband, hinauf fuhren. Als Aushülfe hatte sich der Doctor dabei die müßig im Haus liegenden Mexikaner und Indianer gemiethet, und noch vor Sonnenuntergang standen zwanzig Betten dort oben, unmittelbar unter dem schrägen, an vielen Stellen defecten Ziegeldach auf dem offenen Boden, durch den der oft stürmische Wind nach allen Richtungen hin seinen Durchzug hatte. – Das war das Hospital, das jetzt seiner unglücklichen Bewohner harrte.