»Kann ich nicht sagen, ich bin erst seit einem halben Jahre in M– und weiß gar nicht, wem das Haus früher gehörte. Jetzt ist's der Stadt und die Läden werden vom Stadtrath selber vermiethet, denn ich weiß, mein Herr hätte gern die schönen Ställe da drin gehabt, aber sie forderten einen zu bärenmäßigen Zins dafür. Da war's denn Nichts.«
Nicht lange darauf hielt die Droschke vor dem bezeichneten Hôtel, und Trautenau's erste Frage, nachdem er sein Zimmer angewiesen bekommen, war nach dem Joulard'schen Hause. Der Kellner zuckte ebenfalls die Achseln.
»Das war eine faule Geschichte,« sagte er, »sind nun fast zwei Jahre, da brach der Schwindel zusammen. Die ganze Stadt hatte den Herrn Joulard für einen Millionär gehalten – ja wohl, eine halbe Million Schulden kam fast zusammen, es ging hoch in die Hunderttausende und auf einmal war er weg, wie Schnee im April, und kein Mensch weiß noch bis zu dieser Stunde, was aus ihm geworden ist.«
Trautenau schnürte es fast das Herz zusammen, aber er wagte nicht, den kurzjackigen, wohlfrisirten Menschen weiter zu fragen. Von diesen Lippen wollte er das Schicksal Clemences nicht erfahren. Er mußte sehn, ob er Frank nicht in M– traf.
Er zog sich rasch um und ging in dessen alte Wohnung, dort aber war er nicht mehr zu finden. Jedoch sollte er in der Stadt sein, wo er sich aber jetzt eingemiethet habe, würde Herr Trautenau wohl auf der Polizei am sichersten erfahren.
Dorthin ging er und hörte, daß Franz Rauling, Maler, sein eigenes altes Atelier bewohnte, wohin er sich denn natürlich augenblicklich begab.
Das Wiedersehen der beiden Freunde war herzlich. Wie viel hatten sie sich auch zu sagen und zu erzählen, und doch scheuten sich Beide eine lange Weile den einen Punkt zu berühren, der jedenfalls auf Beider Lippen lag und dem doch Keiner von ihnen zuerst Worte geben mochte.
Trautenau saß in einem alten lederüberzogenen Lehnstuhl, den Kopf in die rechte Hand gestützt, das linke Bein über das rechte geschlagen, und sein Blick hing, während er mit dem Freund sprach, fest und unverwandt an seinem eigenen Teufelsbild, das heute noch wie damals die Mauer zierte – oder entstellte.
»Und was ist aus dem da geworden?« brach er endlich durch alle Schranken durch, denn er mußte ja doch wissen, was mit Clemence geschehen.
»Aus dem da?« antwortete Frank und warf den Blick über die Schulter nach dem Wandgemälde – »weißt Du schon, was aus dem alten Joulard geworden ist?«