»Herr Trautenau,« sagte sie ernst, aber mit tiefem Gefühl – »lassen Sie alle Entschuldigungen; uns bleibt keine Zeit dazu, denn selbst die Minuten sind mir zugemessen. Nur mit zwei Worten will und muß ich auf eine frühere – glückliche Zeit zurückkommen – ich war Ihnen früher nicht gleichgültig.«

»Clemence!« rief Trautenau bewegt.

»Sagen Sie Nichts darüber,« wehrte Clemence ab – »ich fühlte es, aber es war zu spät und mein Schicksal schon besiegelt. Ich mußte Sie streng in die Grenzen kalter Gleichgültigkeit zurückweisen – mich selber darin halten. Aber ich habe es Ihnen nicht vergessen, daß Sie damals der einzige Freund waren, der es wagte mich zu warnen, – wenn ich auch der Warnung nicht mehr folgen konnte.«

»Ach wären Sie ihr gefolgt,« seufzte Trautenau.

»Wär' ich –« flüsterte leise Clemence, »doch jetzt ist es zu spät,« fuhr sie lebendiger fort, – »zu spät wenigstens, um das Geschehene wieder gut zu machen, wenn auch nicht zu spät um weiterem Unheil – um dem Schlimmsten vorzubeugen, und Sie sind der einzige Freund, den ich hier habe. Wollen Sie mir helfen?«

»Oh wenn es in meinen Kräften steht, wie gern,« rief der junge Mann, der in dem Augenblick Frank's sämmtliche Warnungen und Ermahnungen vergessen hatte. »Sagen Sie mir nur wie – was ich thun soll.«

»Reuhenfels, mein Gemahl, der mich wie eine Sclavin behandelt,« fuhr Clemence fort, »hat die Absicht mich nach England und von da nach Amerika zu schleppen. Dort wäre ich ganz verloren und in seinen Händen, denn ich habe da keinen Freund mehr, der mich selbst vor seinen rohen Mißhandlungen schützen könnte.«

»Aber er wagt es doch nicht?« rief Ernst entsetzt.

»Er hat es gewagt,« sagte Clemence düster, »und nur eine Rettung giebt es für mich – Flucht!«

»Aber wohin? – zu wem?« rief Trautenau erschreckt, denn in dem Augenblick wäre er in der größten Verlegenheit gewesen, wenn er hätte sagen sollen wohin er selbst die Geliebte entführen könnte, obgleich ihm schon der Gedanke das Herz mit Seligkeit füllte.