»Aber wollen Sie ihn nicht selber hinauftragen? No. 5. in der ersten Etage. Sie brauchen nur anzuklopfen.«

»Ich darf nicht wagen die Dame, einer solchen Kleinigkeit wegen zu stören,« meinte Ernst und wollte sich abwenden.

»Aber sie hat mich ja selber heruntergeschickt,« erwiderte fast ärgerlich die junge und wie es schien ziemlich gewandte Person. »Wenn ich Ihnen sage, daß sie sich freuen wird Sie zu sehen, so können Sie doch getrost hinauf gehen. Sie sind ein echter Deutscher, Monsieur. Einer von meinen Landsleuten wäre schon lange die Treppe hinauf.«

Ernst war blutroth geworden, denn jetzt blieb ja kein Zweifel mehr, daß die Einrisse in der Karte ein absichtliches Zeichen gewesen. Aber konnte er eine directe Einladung ausschlagen? Er hatte Frank freilich sein Wort gegeben, Clemence nicht wieder aufzusuchen, aber that er denn das jetzt? nein, die Dame selber ließ ihn durch ihr Kammermädchen bitten, den Handschuh zu ihr hinauf zu bringen, und es wäre ungezogen gewesen, dem nicht Folge zu leisten. –

»No. 5?« fragte er.

»Ja! gleich links im Gang über der ersten Treppe – die dritte Thür. Sie können gar nicht fehlen.«

Er war mit wenigen Sätzen hinauf, und vor dem bezeichneten Zimmer. – Wie ihm das Herz schlug. Kaum aber hatte er angeklopft, als auch schon ein nicht lautes, aber deutliches »Herein« ertönte, und wie er die Thür öffnete, stand Clemence mitten im Zimmer, und streckte ihm zum Gruß die Hand entgegen.

»Das ist sehr lieb von Ihnen,« sagte sie freundlich, »daß Sie alte Freunde nicht vergessen haben.«

»Gnädige Frau,« stammelte Ernst verlegen, denn er wußte sich die Anrede nicht zu erklären, da er im Joulard'schen Hause wenigstens nie wie ein Freund, sondern immer nur wie ein fremder Künstler behandelt worden. Er nahm aber die dargereichte Hand, zog sie ehrfurchtsvoll an die Lippen und sagte dann befangen: »vor allen Dingen erlauben Sie mir Ihnen Ihr Eigenthum zurückzuerstatten, das ich heute Morgen hier im Haus zufällig fand. Ich hätte auch nicht gewagt selber –«

Clemence winkte ihm mit der Hand.