»Hat meine Frau hier heute Morgen den Zug benutzt?«
»Jawohl, Herr zu Berg,« sagte der alte Mann freundlich. »Frau Gemahlin waren da, – drei Billette genommen, glaub' ich – zwei oder drei: ich weiß es jetzt wahrhaftig nicht mehr genau. Lieber Gott, das ist jeden Morgen solch ein Gedränge – waren aber selber an der Casse.«
»Und wer war bei ihr?«
»Bin ich nicht im Stande zu sagen,« erwiederte der Mann achselzuckend; »das wimmelte nur so heute Morgen, aber die gnädige Frau erkannte ich den Augenblick wieder.«
»Sie wissen wohl nicht mehr, wohin sie sich hat einschreiben lassen?«
»Haben wohl die Frau Gemahlin verfehlt? – nach Mainz nahm sie Billette. Ich weiß es noch genau, ich mußte ihr einen Napoleonsd'or wechseln.«
»Ich danke Ihnen, – ja wir hatten uns verabredet, eine Vergnügungstour zu machen. Wann geht der Zug nach Mainz ab?«
»Wird kaum noch zehn Minuten dauern, – sobald der nach Coblenz gehende hereinkommt, und signalisirt ist er schon.«
»Gut, – bitte um ein Billet zweiter Classe Mainz.«
Reuhenfels nahm sein Billet und schritt indessen, bis die Abfahrt des Zuges angezeigt werden würde, mit verschränkten Armen und ganz seinen düsteren Gedanken nachhängend, auf dem Perron auf und ab, als er plötzlich seinen Namen hörte.