»Gewiß! Ich bin der gnädigen Frau zwar nie vorgestellt worden, und ich weiß nicht einmal, ob sie mich kennt – bezweifle es sogar, aber die Dame ist nicht zu verkennen. Sie macht durch ihre Schönheit ja überall Aufsehen. Sie sah wieder reizend heute Morgen aus.«
»Und Sie haben keine Ahnung wohin sie gefahren sein kann?«
»Ja mein Himmel, wer soll das wissen, denn es giebt zahllose Zwischenstationen – aber sie wird jedenfalls auf dem ersten Halteplatz wieder ausgestiegen sein, sobald sie nur merkt, daß sie in den falschen Zug gerathen ist.«
»Jedenfalls – jedenfalls« sagte Reuhenfels zerstreut – »aber – was ich Sie gleich noch fragen wollte – Passagiere für eine bestimmte Station werden gewöhnlich zusammen in ein Coupée gethan. Wohin fuhr jener Herr – der Assessor sagten Sie, glaub' ich – heute Morgen?«
»Der Assessor? oh nicht weit, nur nach St. Goarshausen. Sie haben dort Verwandte, die sie erst auf einen Tag besuchen wollen.«
»So? ich danke Ihnen. Merkwürdig!«
»Ach solche Verwechselungen sind schon häufig vorgefallen,« meinte Herr von Plauen, der den Ausruf ganz anders verstand, »und auf unseren Rheinischen Bahnen hat es eben Nichts zu sagen, denn es gehen zu viele Züge, mit denen man sich immer rasch wieder helfen kann. Wenn Sie hier eine Stunde warten, kommt sie jedenfalls mit dem nächsten Zug wieder zurück.«
»Ich werde ihr lieber entgegen fahren, sie findet sich sonst am Ende nicht zurecht.«
»Ja, Damen sollte man nie allein reisen lassen, sie haben ein merkwürdiges Geschick darin, sich irgendwo festzufahren. Es war ganz das nämliche im vorigen Jahr mit meiner Frau, wo wir auch eine Tour nach –«
»Sie entschuldigen mich,« sagte Reuhenfels – »da kommt schon der Zug nach Coblenz und ich muß mir erst noch ein Billet lösen.«