»Oh Sie haben überflüssig Zeit,« war die Antwort – »jetzt wird erst der Zug nach Mainz expedirt und der Coblenzer hält wenigstens zehn Minuten an.«
»Ich will mich doch fertig machen, denn ich muß auch erst mein Gepäck hier unterbringen. – Guten Morgen lieber Plauen; herzlichen Dank für die Nachricht.«
»Bitte – bitte – sehr gern geschehen. Freut mich nur der gnädigen Frau wegen, daß ich Sie hier getroffen habe. Bitte mich gehorsamst zu empfehlen.«
Reuhenfels winkte ihm nur noch mit der Hand zu und eilte dann rasch an die Casse, um dort ein Billet für St. Goarshausen zu lösen. Hatte sich der alte Cassirer für den Mainzer Zug geirrt? Aber das blieb sich jetzt gleich – an einen Irrthum seiner Frau glaubte er nicht, und seine einzige Hoffnung war jetzt nur, die Flüchtige entweder unterwegs an den Zwischenstationen oder in St. Goarshausen zu erfragen.
Reuhenfels hatte übrigens an dem Morgen kaum mit dem Zug Wiesbaden verlassen, als drei sehr anständig gekleidete Herren in Civil, mit einem etwas militairischen Anstrich, unten im Hôtel Kompelt nach ihm frugen, und von dem Kellner bedeutet wurden, daß der Herr Baron heute Morgen einen Ausflug – aller Wahrscheinlichkeit nach bis Frankfurt gemacht habe.
»Und glauben Sie, daß er heute Abend zurückkehren wird?«
Der Oberkellner zuckte die Achseln.
»Ein Theil seiner Sachen ist allerdings noch da,« sagte er, »aber die gnädige Frau hat ihren Koffer und anderes Handgepäck schon vor Sonnenaufgang hinunterschaffen lassen, was allerdings auf einen längeren Ausflug deutet.«
»Sind sie Ihnen noch etwas schuldig?«
»Sehr unbedeutend – die Herrschaften zahlen hier im Hôtel immer jede Woche ihre Rechnungen, und der Herr Baron hat die seinige erst gestern berichtigt. Uebrigens kommt er jedenfalls zurück, denn er hat noch eine Menge von Sachen oben.«