Aber die Stille dauerte nicht lange. Haß und Rache, die in des betrogenen Gatten Augen blitzten, mußten endlich zum Ausbruch kommen und mit vor Wuth heiserer Stimme sagte er endlich:
»Also dahin ist es mit Ihnen gekommen, Madame, und mein Verdacht, den ich als gutmüthiger Thor selber einzuschläfern suchte, war doch begründet? Aber Sie sollen diesen nichtswürdigen Undank bereuen – bitter bereuen, darauf gebe ich Ihnen mein Wort, und daß ich mein Wort halte, wissen Sie, sollte ich denken – gut genug. Und nun zu Ihnen mein Herr, der Sie es gewagt haben, in das Heiligthum einer glücklichen Ehe die frevle Hand zu stecken. Ich weiß nicht, ob Sie ein Mann von Ehre sind – was ich bis jetzt davon gesehen habe, spricht wenigstens nicht dafür – wenn dem so ist, so folgen Sie mir in ein anderes Zimmer, daß wir das Nöthige dort besprechen können.«
»Ich stehe zu Ihren Diensten, Herr Major,« rief Trautenau, dessen Antlitz bei den beleidigenden Worten alles Blut verlassen hatte – »wo und wann Sie wollen und werde Ihnen beweisen, daß Sie gerade der Letzte sein dürfen, einen rechtschaffenen Mann an seine Ehre zu mahnen. Weitere Worte, glaube ich, werden wohl fortan unnöthig sein.«
»Ich glaube es auch,« zischte der Major in Haß und Bosheit, denn die Anspielung des jungen Mannes auf sein vergangenes Leben war zu deutlich gewesen um sie mißzuverstehen. »Folgen Sie mir, und Sie, Madame, werden dies Zimmer nicht verlassen, bis ich zurückkehre, um Ihnen meine weiteren Befehle kund zu thun.«
»Mein Herr!« rief jetzt Clemence erzürnt von ihrem Stuhl emporfahrend – Reuhenfels würdigte sie aber keines weiteren Blicks. »Ich weiß, daß Sie gehorchen werden,« sagte er tückisch und verließ das Zimmer, während Trautenau seinen Hut ergriff, um ihm zu folgen. So aber und ohne ein Wort des Abschieds konnte er Clemence nicht verlassen. Bewegt und zitternd vor Aufregung schritt er auf sie zu und ergriff ihre Hand.
»Fürchten Sie Nichts, Clemence,« sagte er leise und rasch – »so lange ich lebe haben Sie einen Freund, der Sie nicht verlassen soll.«
»Er wird Sie tödten,« hauchte Clemence – »er trifft mit der Pistole eine Schwalbe im Flug.«
»Ich selber bin nicht ungeübt darin,« erwiederte Trautenau trotzig, »ich schieße rasch und sicher. Noch ist es möglich, Ihnen Ihre volle Freiheit wieder zu geben.«
»Und für mich wollen Sie in den Tod gehen,« bat das junge schöne Weib, jetzt wirklich furchtbar ergriffen, »ach, ich habe es nicht um Sie verdient!« und Thränen glänzten dabei in ihren Augen.
»Jetzt komme was da wolle!« rief Trautenau jubelnd aus, denn diese Thränen waren ihm der erste Beweis ihrer Liebe – »Du weinst um mich, Clemence, und so möcht' ich sterben. Aber es lebt ein Gott! er wird mir nicht die höchste Seligkeit des Lebens zeigen, um mich dann nur verzweifelnd von der Erde zu nehmen. Lebe wohl, auf baldiges frohes Wiedersehen.« – Sie stürmisch in die Arme pressend, drückte er den ersten Kuß auf ihre Lippen, und wie er jetzt zur Thür hinauseilte, wäre er dem Bajonnetangriff eines ganzen Bataillons mit nackter Brust jauchzend entgegen gerannt.