»Nein – ich kenne Niemanden hier.«

»Ich habe viele Officiere heute Abend in St. Goarshausen gesehen. Sie werden leicht einen der Herrn dazu bewegen können.«

»Ich denke ja.«

»Gut – weiteres ist nicht nöthig. Es bleibt Ihnen der ganze Abend dazu, da Ihre weitere Anwesenheit im Hôtel,« setzte er höhnisch hinzu, »doch nicht mehr verlangt wird. Für Madame werde ich selber sorgen. Sie kommen gewiß?«

»Schon die Frage ist eine unwürdige Beleidigung,« sagte Trautenau finster, »ich hoffe der Erste auf dem Platz zu sein.«

»Gut, mein Herr Maler,« erwiderte Reuhenfels sarkastisch, »ich werde Sie nicht lange warten lassen.«

Elftes Capitel.
Die Entscheidung.

Trautenau verließ das Hôtel, um an den Rhein hinab zu gehen. Wenn er aber auch sonst friedlicher, fast sanfter Natur war, und sein Pistolenschießen nur als eine interessante Uebung betrieben hatte, von der er nie im Leben einen ernstlichen Gebrauch erwartete, so konnte er jetzt kaum den anderen Morgen erwarten, wo er Dem gegenüberstehen sollte, den er nun als seinen ärgsten Feind kannte und haßte. Clemencens Kuß brannte ihm ja noch auf den Lippen, und er fühlte, daß Einer von ihnen Beiden – Reuhenfels oder er, die Erde räumen müsse – es war nicht Platz darauf für Beide.

Mit diesen Gedanken schritt er rasch den Rhein hinab, und es dauerte nicht lange bis er zwei nassauische Officiere traf, die Arm in Arm am Rhein spazieren gingen, und denen er ohne Weiteres sein Anliegen vortrug. Er war vollkommen fremd hier und hatte morgen früh, zum Schutz einer Dame, eine Ehrensache auszumachen – ob ihn Einer der beiden Herren dabei unterstützen wolle?

»Wie ist Ihr Name?« frug der Eine der Officiere.