Ehe man ihn abführte, verlangte er allerdings noch einmal seine Frau zu sprechen, der Beamte erklärte aber strengen Befehl zu haben, keine Unterredung weiter mit irgend wem gestatten zu dürfen. Er wußte überdies, daß ihm die Dame entflohen sei, und also keine Gefühlsrichtung diesen Wunsch hervorgerufen hatte. Der Gefangene wurde ohne Weiteres, mit Allem was man bei ihm fand (seine in Wiesbaden befindlichen Sachen waren schon mit Beschlag belegt) in Gewahrsam gebracht, bis der nächste Zug ging und dann fort transportirt, ohne daß die Leute im Haus weiter erfuhren, was mit ihm geschah.

Zwei Stunden später etwa kehrte Trautenau vom anderen Ufer zurück. Schon unten in der Hausflur erzählte ihm aber der Wirth, den er dort antraf, die Gefangennahme des fremden, gestern Abend angekommenen Herrn, der jedenfalls ein großes Verbrechen begangen haben müsse, denn als man ihn auf die Bahn gebracht, habe er Handschellen angehabt.

»Und die Damen?«

»Die Eine ist noch oben,« erwiederte der Wirth, »und wartet, glaube ich, auf den nächsten Zug, oder das nächste Boot – die andere ist mit einem jungen Herrn, einem Franzosen, gleich nachdem der Herr fortgeschafft wurde, oder etwa eine Stunde später, an Bord des zu Thal gehenden Bootes gefahren. Der Dampfer konnte ja kaum die Landung verlassen haben, als Sie heraufkamen.«

Trautenau war es, als ob das Haus mit ihm im Kreise herum ging. – Eine der Damen hatte das Hôtel mit einem jungen Franzosen verlassen – aber es war doch nicht möglich – nicht denkbar, daß Clemence –

Er drehte sich langsam ab und stieg die Stufen hinauf, die zu der oberen Etage führten. Dort lag das Zimmer, in welchem Clemence wohnte – Er klopfte leise an.

»Entrez!« lautete der ziemlich lebhaft gegebene Ruf, und als er die Thür öffnete, bemerkte er Jeannette, eben im Begriff, ihren Koffer zu packen, wie sie mitten in der Stube stand.

»Ah Monsieur Trautenau!« rief das junge Mädchen, indem sie auf ihn zuflog und seine Hand ergriff – »Sie sind zurückgekehrt? Ah das ist schön, das ist brav von Ihnen.«

»Mein liebes Fräulein,« erwiederte Trautenau, der das Alles noch gar nicht fassen konnte, »wollen Sie mir freundlichst sagen, was hier vorgegangen ist, denn der Wirth unten scheint mir verrückt – die ganze Welt muß wahnsinnig geworden sein, oder ich bin es am Ende selber.«

»Nein, Monsieur,« rief Jeannette lebhaft aber unter Thränen aus – »man hat Ihnen die Wahrheit gesagt. Das Unerhörteste ist geschehen.«