»Ja, ja, komme schon,« knurrte der Hausknecht, in eben nicht besonderer Laune, »na ja,« murmelte er dabei – »hier unten einen Gulden gekriegt und da oben das Trinkgeld verloren; wo bleibt da der Profit.« – Als guter Deutscher hatte er aber viel zu großen Respect vor der Polizei, um irgend einen anderen Gedanken, als den unbedingten Gehorsams zu hegen. Was ging ihn auch der Fremde auf No. 11 an, daß er sich seinetwegen hätte in böse Händel verwickeln lassen. Helfen konnte er ihm doch nichts. Er ging in das Zimmer und ließ die Thür angelehnt.

»Hier mein Bursche,« begann Reuhenfels, »nimm einmal den Kasten und komme mit mir zum Flußufer hinunter. Ist der andere Herr schon fort?«

»Oh wohl schon vor zehn Minuten.«

»So? Dann habe ich keinen Augenblick Zeit mehr zu versäumen – komm rasch.«

»Sie werden wohl noch einen Augenblick entschuldigen müssen, Herr Major von Reuhenfels,« sagte in diesem Moment die tiefe, ernste Stimme des französischen Polizei-Agenten, dessen Gesicht sich Reuhenfels erinnerte oft in Wiesbaden gesehen zu haben, wenn er auch wohl nie eine Ahnung von seiner Function hatte. Aber er erbleichte, denn hinter diesem traten noch vier andere Männer ins Zimmer und füllten den kleinen Raum, während sich der Hausknecht vor das Fenster zurückgezogen hatte, um eine Flucht dort hinaus zu verhindern.

»Was wollen Sie von mir?« rief Reuhenfels, und sein scheuer Blick verrieth deutlich genug, daß er kein reines Gewissen hatte. »Halten Sie mich nicht auf – ich habe eine Ehrensache abzumachen.«

»Weshalb wir kommen, mein Herr,« sagte der Beamte mit schneidender Kälte, »betrifft keine Ehrensache, sondern einen Bubenstreich – ja vielleicht eine Kette von solchen, und die Erledigung derselben muß diesmal der Ehrensache vorgehen. Sie sind mein Gefangener.«

»In wessen Namen?« fuhr Reuhenfels auf.

»Im Namen Sr. Majestät des Kaisers der Franzosen wegen Anklage auf Mord und Raub, wie anderer geringfügiger Vergehen.«

»Das ist eine schändliche Lüge!« rief der Verbrecher, aber Todtenblässe deckte seine Züge und der scheue Blick umher suchte nach Hülfe, vielleicht nach einer Waffe. Die Pistolen im Kasten waren aber nicht geladen und dieser auch verschlossen. Ueberhaupt gaben ihm die Polizeibeamten keine Zeit mehr, sich lange zu bedenken. Ehe er ernstlichen Widerstand wagen oder nur beschließen konnte, hatten sie sich auf ihn geworfen, und obgleich er sich jetzt wie ein Verzweifelter wehrte, fand er sich doch machtlos in der Hand der fünf baumstarken und gewandten Männer. Seine Kraft war auch gebrochen. Der Schlag hatte ihn zu rasch und plötzlich getroffen und zähneknirschend ergab er sich endlich in sein Schicksal.