»Eine Lektion müssen wir den Burschen noch geben,« sagte er finster, »daß sie später das Eigenthum der Weißen mehr respektiren lernen oder wenigstens in einer heilsamen Furcht gehalten werden – Zimmermann, nehmt einmal Euer Beil und bearbeitet das Canoe dort drüben ein wenig.«
Der Zimmermann that dies mit Vergnügen und das Fahrzeug war im Nu unbrauchbar gemacht; dann nahmen sie ihren Cours um die Insel herum, um die übrigen ebenfalls abzuschneiden und die Schwarzen dadurch auf der Insel zu halten, bis ein größeres Schiff dort landete, das eher die Macht hatte, sie zu züchtigen. Die Eingeborenen schienen es aber vorgezogen zu haben, etwas Derartiges nicht abzuwarten, denn wie sie an den anderen Rand der Insel kamen, sahen sie die kleine Flotte von neun Canoe's schon unterwegs, und zwar in voller Flucht gen Süden, dem nächsten Festland zu haltend. Daß sie von dem schwergeladenen Boot der Weißen nicht verfolgt werden konnten, wußten sie gut genug, aber sie schienen auch gar nicht die Absicht zu haben, weit zu fliehen, denn draußen ein Stück in See lagen sie jetzt plötzlich auf ihren Rudern, um dort erst einmal abzuwarten, was die Feinde beginnen würden.
Der Kapitän war überzeugt, daß sie, sobald das Boot nur außer Sicht wäre, augenblicklich nach der Insel zurückkehren würden, nicht allein um ihre Todten abzuholen, sondern auch die begonnene Plünderung zu beenden. Das Alles ließ sich aber nicht mehr ändern. Der für den Seemann so wichtige Platz war einmal verrathen; die Schwarzen hatten das Geheimniß der Höhle entdeckt, und es durfte wohl schwerlich mehr an eine weitere Niederlage dort von Wasser und Provisionen für verunglückte Seeleute gedacht werden. Jenes diebische Gesindel revidirte jetzt gewiß regelmäßig die Höhle, um Alles mitzuführen, was sie fanden.
Das Boot – nachdem sich die Leute an dem erbeuteten Wasser gelabt – hielt eine nordwestliche Richtung bei, um irgend eine der Inseln des ostindischen Archipels anzulaufen, schon am zweiten Tag aber sichteten sie eine portugiesische Brigg, die, von Europa kommend, nach der portugiesischen Besitzung in Timor bestimmt war. Von dieser wurden sie an Bord genommen und gingen später mit einem holländischen Schiff nach Singapore, von wo aus sie leicht in ihre Heimath zurückkehren konnten.
Der Kapitän machte allerdings in Singapore die Anzeige des zerstörten Depots auf Booby-island, und ein nach Australien bestimmtes Kriegsschiff bekam auch Auftrag, dort anzulaufen; als es aber mit dem nächsten Monsuhn Booby-island berührte, fand es in der Höhle nur noch einen Haufen verdorbenes Fleisch, den die Schwarzen verschmäht hatten – alles Uebrige war ausgeräumt und selbst die »Postoffice« wahrscheinlich nach dem Festland geschafft worden.
Zacharias Hasenmeier's Abenteuer.
Erstes Kapitel.
Die Matrosenkneipe.
Da lebte einmal vor langen Jahren ein Handwerksbursch, und den freute die Welt nicht mehr, denn anders wurde es wohl mit der Zeit, wohin er auch kam, aber nie und nimmer besser.
Früher ja, da ließ sich's aushalten, da marschirte so ein armer Handwerksbursch nach Herzenslust im lieben deutschen Vaterland herum, Chaussee auf und ab, ging in den Dörfern fechten, schlief Nachts auf der Streu oder in einem Heuschober, setzte sich, wenn er unterwegs müde wurde, auf einer vorbeirollenden Extrapost hinten auf und dachte gar nicht daran, die Beine je lang unter einen Arbeitstisch zu strecken. Das ließ schon die Wanderlust nicht zu, und geschah es je einmal ausnahmsweise, so erfaßte ihn rasch die unbezwingbare Sehnsucht nach einer Pappelallee, der er nicht widerstehen konnte und wollte.
Da erfanden böse und hinterlistige Menschen, aus reiner Bosheit gegen die armen Handwerksburschen, die Eisenbahn, und mit dem lustigen Marsch auf der Landstraße war's vorbei. Extraposten und Lohnkutschen – wo bekam man sie noch zu sehen? der Dampf hatte die Zügel ergriffen und bei einem davonbrausenden Bahnzug – mit den groben Condukteuren – war kein Gedanke mehr hinten aufzusitzen.