Das macht zuletzt den besten Menschen verdrießlich und so war denn auch Zacharias Hasenmeier, ein »wasserdichter Hutmachergesell,« endlich zu dem verzweifelten Entschluß gekommen – nicht etwa seinem Leben ein Ende zu machen, nein – dazu besaß er zu viel Religion und zu wenig Courage – aber auszuwandern und sich irgend einen Platz auf der Welt zu suchen, wo es erstlich einmal keine Eisenbahnen gab, und wo ein reisender Handwerksbursch auch noch leben konnte, »wie sich's gehört und gebührt,« d. h. wo er ein Terrain zum fechten und hinten aufsitzen fand.

Mit dem Entschluß erst einmal im Reinen, hielt er sich denn auch nicht lange bei der Vorrede auf, packte seinen Tornister, mit ein paar neuen Stiefeln oben d'rauf, daß die blinkenden weißen Sohlen rechts und links unter der Klappe vorschauten, ließ sich eine neue Zwinge an seinen dicken Knotenstock machen, und ging danach auf die Polizei, um sein Wanderbuch visirt zu bekommen. Ordnung muß nämlich sein, und ob er nun zu den Chinesen oder Menschenfressern kam, sein Wanderbuch wollte er in Ordnung haben, denn den Chinesischen Gensdarmen traute er gerade so wenig wie den Deutschen.

Die Behörde besorgte ihm das auch. Gegen seine Auswanderung hatte sie, merkwürdiger Weise Nichts einzuwenden, und visirte ihm sein Wanderbuch, auf seine Anweisung, daß er nach Amerika, Australien und sonst wohin wollte, gewissenhaft und wörtlich:

»Nach Australien und weiter!«

wonach er dann lustig und wohlgemuth in die Welt hinaus wanderte.

Er hatte, als er die Stadt verließ, in der er zuletzt gearbeitet, den Hut keck auf die eine Seite gerückt, was andeuten sollte, daß er sich aus ganz Europa Nichts mehr mache, und mit dem buntgestickten Tabaksbeutel vorn im Knopfloch baumelnd (einen Orden besaß er nicht, den er hätte hinein thun können, und etwas muß der Mensch doch im Knopfloch haben) mit außerdem zehn Thaler siebenzehn und einen halben Silbergroschen in der Tasche, meinte er, daß er nun die Welt durchwandern könne. – Was weiß so ein wasserdichter Hutmacher überhaupt von der Welt!

Natürlich ging er gerade in einem Strich auf Hamburg zu, weil er gehört hatte, daß von dort ab fast täglich Schiffe nach aller Herren Ländern ausliefen, und man von diesem Hafen aus mit derselben Bequemlichkeit zu den Botokuden wie zu den afrikanischen Baumaffen kommen könne. Wohin? blieb sich aber vollständig gleich – Hüte brauchten Alle oder konnten ihnen doch wenigstens angepaßt werden, und er war von sich selber überzeugt, daß er sein Fortkommen in irgend einem Land der Welt finden würde – er müsse nur erst einmal dort sein.

»Der liebe Gott verläßt keinen Deutschen,« sagte er sich und mit dem schönen Liedchen: »Muß i denn, muß i denn zum Städtle hinaus – Städtle hinaus,« ließ er sich wahrlich kein Gras unter die Sohlen wachsen, und wanderte, jede Eisenbahn von Grund seines gekränkten »wasserdichten Hutmacherherzens« aus verachtend, zu Fuß bis in die ferngelegene Hafenstadt, um sich dort nach einer womöglich wüsten Insel einzuschiffen.

Er fluchte allerdings jedesmal still vor sich hin, wenn ein Bahnzug vorüberrasselte, und die Leute darin aus den offenen Fenstern hinaussahen, und über den wunderlichen Menschen lachten, der zu Fuß hinterd'rein keuchte, während er doch hätte, für ein paar Groschen, so bequem darin fahren können; aber Zacharias setzte den Hut bei solchen Gelegenheiten nur noch immer schiefer, um seine Verachtung bildlich auszudrücken und wanderte trotzig seines Weges, ohne auch nur einmal nach ihnen umzuschauen.

Es ist überhaupt erstaunlich, mit welcher Genauigkeit sich menschliche Gemüthsbewegungen und Charaktere nur allein durch die verschiedene Stellung des Hutes ausdrücken lassen.