Quito selber hat übrigens auch große Fabriken, in welchen diese billigen Stoffe sowohl, wie auch recht gute Zeuge, besonders Tuche, hergestellt werden. Was aber die Indianer brauchen, fertigen sie sich auch selber an, denn so billig es in der Fabrik sein mag, ihr Produkt ist noch billiger und erfüllt dabei denselben Zweck.
Das gewöhnliche Zeug, welches die ärmeren Klassen tragen, besteht dabei aus starkem weißen Stoff, mit braungefärbten Fäden in einfachen Mustern, meistens nur gestreift, durchzogen. Die Männer tragen dazu weiße Hosen, die Frauen einen kurzen Rock und ein Schultertuch, Beide aber auch den sogenannten Poncho – jenes große Tuch mit einem Loch in der Mitte, um entweder den Kopf durch dasselbe zu stecken, daß es, bei kaltem Wetter oder bei Regen, rings um sie niederfällt, oder um es blos um die Schultern zu schlagen.
Fließendes Wasser giebt es allerdings, wie vorher erwähnt, in der Stadt genug, aber so voller Schmutz und Unrath, daß es nur von den ärmeren Klassen, aber von diesen auch ohne die geringste Scheu, zum Waschen und Aufspülen, ja sogar vielleicht zu Küchenzwecken benutzt wird. Die besseren Stände lassen sich dagegen ihr Wasser von oberhalb der Stadt in die Häuser tragen, und zwar durch Menschen, in einem großen irdenen Gefäß, das diese hinten auf die Hüften setzen und es durch ein, um die Brust laufendes Tragband stützen. Erst wenn es zum großen Theil geleert ist, hebt er sich das Band vor die Stirn, weil ihm das jedenfalls bequemer scheint.
Diese Leute tragen solcher Art eine enorme Last, und was verdienen sie den ganzen Tag? – ein paar Medios, mit denen sie sich am Leben erhalten können. Nur wenn es gut geht, bleibt ihnen vielleicht noch genug zu einem Schluck Tschitscha übrig.
In ähnlicher Weise, nur das Tuch um den Kopf, nicht über die Brust geschlagen, bringen die indianischen Frauen Milch und Butter zu Markt. In der einen Hand tragen sie dabei ein irdenes Gefäß als Maß für die zu verkaufende Milch, in der andern einen irdenen Teller mit Butter, mit Maisblättern überdeckt, um sie kühl und frisch zu halten.
So wandern sie mit ihrer mühseligen Last über die Plaza oder klopfen an die Häuser der Vornehmen, in welche sie – als Zeichen, daß Jemand draußen sei, der Einlaß begehrt – ihr schüchternes »Ave Maria« rufen.
Auf dem Markt selber stehen aber fast nur die Getreideverkäufer mit ihren kleinen Karawanen von Eseln oder Llamas, dann die Händler mit Hülsenfrüchten und Kartoffeln. Von Hülsenfrüchten wird besonders die bei uns unter dem Namen Puff- oder Saubohne bekannte große Bohne gezogen, und die Kartoffel ist der unsrigen vollkommen ähnlich. Aber es giebt von dieser Knollenfrucht drei hauptsächliche Arten in Ecuador, welche Melloca, Oca und Ticama genannt werden. In der Nähe von Ibarra, also in etwas tieferem Lande als Quito liegt, hörte ich aber noch von einer ganz besonderen Art, die nur in einem jener Thäler wachsen soll und noch nirgends anders hin verpflanzt ist. Der Beschreibung nach, denn ich bekam leider keine davon zu sehen, soll es eine nicht sehr große, aber vortrefflich mehlige Gattung sein, die dabei, wenn gekocht und auf dem Tisch, wie mit Brillanten übersäet erscheint. Wahrscheinlich ist sie mit kleinen Theilen krystallisirten Stärkemehls überdeckt.
Biegen wir nun in eine der oberen Seitenstraßen ein, so finden wir dort ein freundlicheres Bild als die schmutzigen Indianer, die neben ihren Säcken kauern und sich in Ermangelung einer besseren Beschäftigung gegenseitig das Ungeziefer absuchen. Da sind die Stände der Obstverkäuferinnen, und nur ein Blick auf ihre Waare überzeugt uns, in welchem Lande wir uns eigentlich befinden.
Kaum zehn Schritte davon befindet sich noch ein Stand, wo Kohl, Kartoffeln, Rüben und Kraut feilgeboten werden, – durch die Straßen zieht eben ein Trupp von Eseln, der Eis, rohes, hartes Eis aus dem benachbarten Pichincha heruntergebracht hat, – und hier plötzlich sehen wir uns allen Produkten der heißen Zone unmittelbar gegenüber.
Alle diese Verkäuferinnen sitzen unter selber hergestellten, sehr kunstlosen Sonnenschirmen, die aber vollkommen zu einem Schutzdach gegen die heißen Strahlen des Taggestirnes ausreichen. Eine Stange mit einem quer darüber genagelten Holzkreuz und ein Tuch an den vier Ecken festgebunden, ist der ganze Apparat, und nur gegen plötzlich einsetzende Regen bietet er ungenügende Deckung, da sich das Wasser in den Falten rasch ansammelt und durchläuft.