Die Fruchtverkäuferinnen sind auch meist Señores oder Sennoritas von weißer Abstammung – lassen sich wenigstens gern so nennen – tragen auch nicht das ordinäre Baumwollenzeug der niederen Klassen, sondern weiße, buntgesteppte Oberhemden wie Röcke von den verschiedensten Farben und Stoffen, und Glaskorallen um Arme, Hals und in den Ohren. Schmuck lieben überhaupt alle ecuadorianischen Frauen und sind dabei seiner Aechtheit wegen lange nicht so eigen wie die Peruanerinnen, die nur wirkliches Gold und Diamanten haben wollen.

Betrachten wir uns aber ihren Stand und die wundervollen saftigen Früchte, die er bietet. Da finden wir vor allen Dingen Orangen, die schon wenige Leguas von Quito entfernt in ungeheuren Massen gezogen werden, dann süße Limonen – eigentlich ein etwas fades Essen; aber auch die tropische Banane oder der Pisang (hier Plátano genannt) fehlt nicht mit ihrer goldgelben Schale, und daneben liegt die Königin der amerikanischen Früchte, die riesige Cherimoya (custard apple, buwa nonja) mit ihrem fast zu süßen, crêmeartigen Fleisch.

Das ist aber noch nicht Alles; dicht daneben bietet sich ein Stand, der fast nur Ananas in aus Bambus geflochtenen Körben aufgeschichtet enthält; daneben wieder sitzt ein Verkäufer von Zuckerrohr, das in kleine Streifen gehackt und ausgekaut wird; daneben wieder ein anderer mit Cactusfeigen, Aprikosen, Aepfeln, Birnen, auch die kostbare Aguacalta (alligator pear, buwa avocat) ist vertreten, mit der Papaya aus den Platanaren des niederen Landes – kurz eine Mischung von allen nur erdenklichen Früchten beider Zonen, die sich auch in der That an keinem Orte so vereinigt finden, wie gerade in Quito.

Freilich begünstigt die Lage des Landes dies auch ungemein; denn so rasch fallen die Thäler in das tiefe tropische Land hinein ab, daß man oft nur wenige Leguas zu reiten braucht, um in eine vollkommen tropische Vegetation oder bergauf in die Eisregion zu kommen. So hat man auch im Lande drinnen große Estancias oder Güter, deren Besitzer da, wo ihre Wohnhäuser stehen, alle Früchte unserer Zone ziehen und Weizen und Mais, Kartoffeln und Kohl bauen. Weiter unten dagegen haben sie ihre Baumwollen- und Zuckerrohrfelder, ihre Bananen- und Ananas-Gärten, und hoch über sich sehen sie zu ihrer Meierei hinauf, wo das Vieh auf den fetten Triften der Höhen weidet und ihre dazu angestellten Leute ihnen die Milch zum täglichen Bedarf oder zum Verkauf liefern, und dazu Butter und Käse machen.

Käse ißt der Ecuadorianer nämlich leidenschaftlich gern, und die verschiedenen Arten desselben werden zu allen Speisen und sogar zu manchen Getränken gebraucht. Ja selbst in seine Chokolade benutzt er eine Art davon.

In dieser Fruchtstraße dürfen wir aber nicht zu weit vorgehen, denn eben haben wir noch den aromatischen Duft der Ananas mit Wohlbehagen eingesogen, als schon etwas Anderes unsere Geruchsnerven trifft, und zwar der nichts weniger als süße Brodem einer Anzahl von Eßbuden, die dort aufgestellt sind, um den Marktgängern ein rasches und billiges Mittagsmahl zu bieten. Da werden alle Arten von Fleisch geschmort und Mehlspeisen zubereitet, da wird gesotten und gebraten und ein Qualm erzeugt, der, wenn der Wind hineinfährt, die ganze Straße mit seinem erstickenden, heißen Dunst erfüllt. Um aber dort auch wirklich zu essen, muß man ein geborener Ecuadorianer, ja ein geborener Quitener oder mit einem Wort ein geborener Schweinigel sein, denn von dieser Unsauberkeit der Zubereitung kann sich Niemand einen Begriff machen, ohne sich auf wenigstens acht Tage den Appetit zu verderben. Ich darf nicht einmal wagen es zu beschreiben, und es war ein wirklicher Glückszufall, daß ich erst wenige Tage vor meiner Abreise von Quito einen längeren Besuch bei diesen Ständen machte und das Verfahren ihrer Insassen beobachtete. Von dem Augenblick an war ich nicht mehr im Stande, etwas Anderes in Quito zu genießen, als weichgekochte Eier und Früchte. Ich brachte nichts mehr in den Mund, was eine Ecuadorianerin mit ihren Händen auch nur berührt haben konnte.

Wie stechen dagegen die Napo-Indianer ab, die von den Wassern des Amazonenstroms, aus dem heißen Lande ihrer Niederungen, bis hier heraufsteigen, um weniger ihre Producte als ihre Fabrikate, besonders Hanfzwirn und gedrehten Bast zu verkaufen. Sie treffen immer in kleinen Trupps ein und tragen dann Männer wie Frauen einen aus Bambusstreifen leicht geflochtenen und mit Bananenblättern ausgefütterten und überdeckten Korb, in welchen sie nicht allein, was sie zu Markte bringen, sondern auch ihre Provisionen für unterwegs packen.

Es sind schlanke, edle Gestalten, um eine Schattirung dunkler vielleicht als die Indianer Ecuadors, aber noch lange nicht braun, und dabei reinlich bis zum Aeußersten. Sie gehen in blaues, selbstgefertigtes Zeug gekleidet: kurze Hosen und Jacke die Männer, in der Stadt mit einem Poncho übergeworfen; die Frauen dagegen in einem nicht zu langen, kleidsamen und tunikaähnlichen Gewand, mit einer Unzahl sehr kleiner zierlicher Perlschnüre geschmückt. Das Gesicht bemalen sie allerdings etwas, aber nur wenig, und nicht genug um es zu entstellen, mit feinen rothen Strichen, besonders um Auge und Mundwinkel herum.

Bezahlung für ihre Waaren nehmen sie ausschließlich nur in Silber-Viertel-Dollar-Stücken, die sie genau kennen; auf andere Münzsorten lassen sie sich nicht ein, und ebensowenig vertrinken die Männer das Erhaltene, sondern sie leben außerordentlich mäßig und kehren, wenn ihr Handel abgeschlossen ist, ungesäumt in ihre Thäler zurück, verkehren auch dabei so wenig wie nur irgend möglich mit den weißen Ecuadorianern, mit den Indianern gar nicht.

Die Körbe, die sie tragen, sind genau so in ganz Ecuador zum Lasttragen gebräuchlich, nur daß die Indianer am Stillen Meer auch noch Achselbänder von Bast daran schnüren. Besonders die Neger tragen damit enorme Lasten und mit anscheinender Leichtigkeit.