Und weshalb schliefen die Leute nicht? – müde hätten sie wohl auch sein können, aber andere Dinge gingen ihnen im Kopf herum, und als sie erst sicher wußten, daß der Bootssteuerer sie nicht mehr hörte, saßen sie vorn im Bug des Bootes gedrängt zusammen und flüsterten leise miteinander.
Bob schien anfangs nicht ganz ihrer Meinung zu sein, denn er schüttelte ein paarmal entschieden mit dem Kopf; endlich hörte er still und schweigend zu, und als sich die Anderen zuletzt zum Schlafen niederlegten, saß er noch lange regungslos auf seinem Bret und starrte in tiefen Gedanken in den Nebel hinaus.
Wie er zwei Stunden gesessen hatte – er konnte auf seiner alten silbernen Uhr den Zeiger fühlen – weckte er die nächste Wacht. Im Wetter hatte sich indessen noch nichts geändert, als daß der Nebel dichter zu werden schien. – Nicht der Schimmer eines Sternes ließ sich mehr erkennen, und ebensowenig regte sich ein Luftzug –
»Phh! – Phh!« hörte die Wacht da dicht neben dem Boot das Schnaufen von zwei Wallfischen, die langsam und behaglich ihre Bahn verfolgten, und so willkommen ihnen Allen gewiß der Ton an Bord ihres Schiffes oder mit ihren Waffen in Ordnung gewesen wäre, so ängstlich horchte der Mann jetzt dem zischenden Laut. Sie hatten nicht einmal mehr eine Leine an Bord, wenn sie wirklich daran denken konnten, einen der Fische zu harpuniren, und rannten die riesigen Thiere jetzt zufällig gegen ihr Boot an, so war es verloren.
»Hallo! hallo!« rief auch der Matrose, als das Schnaufen sich wiederholte, und jetzt zwar in kaum zwanzig Schritten vom Boot selber – »Wallfische! habt Acht! Bootssteuerer, Bob, Bill – auf mit Euch!«
Die Leute sprangen erschreckt empor, und in demselben Moment fast gingen die beiden schwerfälligen Geschöpfe, ohne das Boot zu sehen oder zu beachten, unmittelbar daran vorüber, und zwar das eine rechts, das andere links, daß man sie hätte mit einem Bootshaken erreichen können. Die Mannschaft griff auch in der That erschreckt nach ihren Rudern, obgleich ihnen die Nichts mehr hätten nützen können – aber die Gefahr war schon vorüber und das Boot schaukelte nur etwas stärker in dem aufgeregten Element.
»Das hätte noch gefehlt,« brummte der Bootssteuerer, als er bestürzt und noch halb im Schlaf hinter ihnen drein sah – »und den Nebel dazu – Wie viel Uhr ist's, Bob?«
»Geht auf Elf, Sir,« erwiederte dieser, nachdem er seine Uhr wieder befühlt.
»Elf erst – das wird eine lange Nacht,« seufzte der Seemann und rückte sich wieder auf seiner Bank zurecht.
Die Wachen wechselten, aber in der Witterung änderte sich Nichts. Der Nebel lag zäh und milchweiß auf dem spiegelglatten Meer, und als der Tag anbrach, war die Sonne nicht einmal im Stande durchzudringen. Der Bootssteuerer aber, mit der Verantwortlichkeit, die er für das Boot trug, schien auch nicht gesonnen, längere Zeit zu versäumen, und kaum war es hell genug genug geworden, um den Kompaß zu erkennen, als er sich in der See Gesicht und Hände badete, und dann von den Lebensmitteln unter die Leute vertheilte.