»Auf dem Schiff liegt ein Fluch,« sagte jetzt auch Tom. »An vier, fünf Fischen sind wir schon fest gewesen, aber den ersten Tropfen Thran sollen wir noch zu sehen kriegen. Zehn Monate sind wir jetzt aus und haben nicht einmal genug eingebracht, um uns die Stiefel damit zu schmieren.«
»Ja, und sitzen dabei in Schulden bis über die Ohren,« fiel Dick, der Vierte, ein. »Keinen Cent verdient und dann auch noch vierzig oder fünfzig Dollars der Mann für warme Kleider zu bezahlen, daß uns am Kap die Seele nicht aus dem Leib fror. Ich will von Heuschrecken zu Tode getreten werden, wenn ich wieder einen Fuß auf den verdammten Blubberkasten setze.«
»Also Meuterei?« rief der Bootssteuerer, sich emporrichtend und die vier mürrischen Burschen mit seinem Blick überfliegend – »und wißt Ihr, welche Strafe darauf steht?«
»Ach was, Sir,« sagte aber auch Bob jetzt, »das ist keine Meuterei, wo wir mit dem Boot, im Nebel verloren und Gott nur weiß wie weit vom Schiff entfernt, auf offener See sind. Nur unser Leben wollen wir retten, daß es uns nicht am Ende geht wie den Booten vom Essex, auf denen die Mannschaft zuletzt darum loosen mußte, welchen von ihnen sie fressen wollten, um nur nicht zu verhungern. Jetzt können wir noch an Land kommen, die See ist ruhig und die Küste nicht so weit – morgen vielleicht schon nicht mehr.«
»Aber heute auch nicht, meine Burschen,« schrie da der Bootssteuerer, den der Zorn übermannte, indem er das neben ihm liegende Beil aufgriff; »verdamm' meine Seele, wenn ich nicht dem Ersten, der jetzt noch zu murren wagt, den Schädel einschlage wie einer faulen Robbe! Ein mit Euren Rudern, sag' ich – Ihr wißt –«
»Damn your eyes,« fuhr der Bill empor, »werft oder schlagt und seid verdammt, aber Einen könnt Ihr nur treffen, und daß die Anderen dann die Haifische mit Euch füttern, darauf dürft Ihr Euch verlassen.«
»Wenn's darauf ausgeht,« rief da Tom, der Dritte, indem er sein Ruder einzog und eine der vornliegenden Lanzen aufgriff und wandte, »so spielen wir auch noch mit. Legen Sie Ihr Beil hin, Mr. Sikes, Sie sehen, daß Sie gegen vier Mann Nichts machen können. Wir wollen Ihnen auch kein Leides thun und haben nie daran gedacht, aber verdammt will ich werden, wenn ich Ihnen nicht das alte Eisen mitten in den Leib hineinwerfe, sowie Sie nur den Arm heben.«
Der Bootssteuerer hatte das scharfe Beil krampfhaft festgepackt, und es zuckte ihm im Arm, seine Drohung wahr zu machen – aber er sah die Unmöglichkeit ein, die vier kräftigen Seeleute zu ihrer Pflicht zu zwingen, wenn er sich nicht selber sicherem Verderben aussetzen wollte.
»Meuterei! bei Gott! helle, blanke Meuterei,« knirschte er zwischen den zusammengebissenen Zähnen hindurch; »und wißt Ihr denn, was Ihr an der fremden Küste findet, und ob Ihr da nicht erst recht von wilden Menschenfressern angefallen und todtgeschlagen werdet?«
»Hat keine Noth, Sir,« lachte aber der alte Bob; »an der Küste fressen sie Keinen, und verwünscht wenig Indianer, die wir da antreffen werden. Bill hat aber recht. Ich bin selber schon auf manchem Whaler mein Lebstag gewesen, so erbärmlich ist's mir aber noch auf keinem gegangen, und wenn wir Nichts fangen, wird uns nicht einmal für unsere ganze Arbeit etwas zu Gute gethan, und wir müssen die paar Lumpen etwa zu dem vierfachen Preis von dem, was sie in Edgarton gekostet hätten, aus unserer eigenen Tasche bezahlen.«