Jetzt ruderten sie dem entgegen, und mürrisch, im Bug des Bootes, die Arme ineinander geschlagen und finster in den Nebel hinausstarrend saß der Bootssteuerer, ärgerlich mit sich und der ganzen Welt, und doch auch wieder vielleicht halb und halb zufrieden, daß er eben gezwungen wurde wegzulaufen, da er selber gut genug wußte, was sie erwartete, wenn sie ihr Fahrzeug wirklich in dem Nebel verfehlt hätten. Er konnte aber auch Nichts an der Sache ändern, denn gegen die vier kräftigen Seeleute vermochte er, als Einzelner, nichts auszurichten. Er mußte sie eben gewähren lassen, und Alles kam jetzt darauf an, welchen Punkt der Küste sie gerade erreichten.

Daß sie sich jetzt unter der Linie, oder wohl auch ein paar Grad nördlich davon befanden, wußte Mr. Sikes, weiter aber hatte er sich auch um die Beobachtung, die ihn an Bord des Wallfischfängers gar Nichts anging, nicht bekümmert, das war Sache des Kapitains und des für diesen Zweck angestellten Steuermanns gewesen, und wäre die Sonne wirklich herausgekommen, so führten sie nicht einmal einen Sextanten bei sich, um ihre Berechnung danach zu machen. Was kam auch darauf an! Die Küste lag jedenfalls im Osten, weit gestreckt von Süd nach Norden, und irgendwo mußten sie dieselbe treffen, wenn sie die eingeschlagene Richtung beibehielten. Uebrigens war auch noch eine Möglichkeit, daß sie unterwegs irgend ein anderes Schiff trafen, denn sie kreuzten ja hier eine der belebtesten Fahrstraßen des Ozeans, und das nahm sie entweder auf, oder sie erfuhren doch genau, wo sie sich befanden, und konnten wieder frisches Wasser und Provisionen von ihm bekommen – der Nebel blieb dann auch nicht ewig liegen.

Die Matrosen ruderten indessen ruhig und unverdrossen fort und wechselten nur dann und wann mit Steuern ab. Keiner von ihnen aber sprach ein Wort mit ihrem bisherigen Offizier, und nur, als sie die letzten Provisionen und die letzten Becher Wasser mit ihm theilten, thaten sie, als ob er noch bei ihnen an Bord wäre.

Aber der Nebel wich und wankte nicht, und während sie unausgesetzt fort an den Riemen lagen, hatten sie nicht einmal das Gefühl des Fortbewegens, denn es sah genau so aus, als ob sie in einem engbegrenzten Raum ruhig auf ein und derselben Stelle liegen blieben und keinen Fuß breit weiter rückten. Die Sonne stand, Bob's Uhr nach, im Mittag und über Kopf, aber selbst dann konnten sie keinen Schimmer derselben erkennen, und eben so wenig erhob sich ein Luftzug von irgend einer Seite. Die See sah aus wie geschmolzenes Blei, und schwül und drückend lag die Luft auf ihnen.

Und wie trocken ihnen die Zungen wurden!

»Ist kein Tropfen Wasser mehr im Faß, Bill?« frug Tom den Segelmacher, der gerade am Steuer saß. Bill schüttelte mit dem Kopf.

»Kein Tropfen mehr, Mate, – aber das Land kann ja auch nicht mehr so weit sein und dort giebt's Wasser genug.«

»Ich glaube wahrhaftig, wir sitzen irgendwo fest,« brummte Tom leise vor sich hin; »unser Boot muß rein verhext sein, denn es regt sich nicht vom Platz.«

Der Bootssteuerer, der sich fest vorgenommen hatte, mit der Führung des Bootes selber Nichts mehr zu thun zu haben, stand von seinem Sitz am Bug auf, stieg über die erste Ruderbank hin und ergriff den vierten Riemen, den er in die Dolle brachte und im Takt mit den übrigen einfiel.

Die Seeleute hatten es Alle bemerkt, aber Keiner von ihnen sprach ein Wort, nur schärfer legten sie sich in die Ruder, denn jede Bootslänge, die sie hinter sich ließen, mußte doch auch die Strecke vermindern, die sie noch vom Ufer trennte.