Die Frau rief der Negerin Etwas auf Spanisch zu, diese hatte aber schon die andere Flasche ergriffen und geöffnet, und reichte sie jetzt dem Matrosen. Bill roch auch nur daran, als er schon vergnügt ausrief: »Famoser Brandy, by Jingo! Das lass' ich mir gefallen!« und sich ein Glas mischend trank er es auf das Wohl der jungen Frau.
Indessen fing das Kind an zu schreien, mit dem sie sich beschäftigen mußte, und Bill war aufgestanden. Auch die Negerin warf sich ein Tuch um den Kopf, um ihn zu begleiten. Bill hatte aber noch etwas auf dem Herzen – er wollte irgend eine Frage stellen, die er sich jedenfalls scheute auszusprechen – ja er wurde ordentlich verlegen und räusperte sich ein paar Mal, sah auch nach der Frau hinüber und dann wieder nach der Treppe. Die junge Eingeborne merkte es endlich und sagte freundlich: »Sie wollen noch etwas von mir! o bitte, sprechen Sie es aus. Was ich für Sie thun kann, soll ja so gern geschehen.«
»Ja, Madame,« sagte Bill, dadurch nicht gebessert – »zuerst – möchte ich Sie um Ihren Namen bitten. Ich muß doch eigentlich wissen, wie – wie meine Frau heißt.«
»Candelaria,« lautete die Antwort, »mein Vorname, – der Name meines Mannes darf hier nicht genannt werden.«
»Hm, ja – und dann – merkwürdig, wo Sie das gute Englisch gelernt haben – es klingt ordentlich natürlich.«
»Mein Gatte hatte lange mit einer englischen Familie in Venezuela zusammengelebt, und als er später nach Neu-Granada kam und mich kennen lernte, lehrte er mich das Englische. Ja es wurde selbst in Karthago, wo wir einen Franzosen fanden, der ebenfalls desselben mächtig war, fast nur Englisch in unserem Hause gesprochen. Armer Robert – wer weiß, was aus ihm geworden ist, denn er hatte sich, wie ich hörte, den Godos mit den Waffen in der Hand widersetzt und war entweder getödtet oder gefangen genommen.«
»Ja, Madame,« sagte Bill, mit seinen Gedanken aber jedenfalls weit abschweifend, »ja wohl – aber – aber – wenn es nun Abend wird, so – so muß ich doch wieder hierher zurückkommen, denn – denn sonst –«
»Gewiß – gewiß,« sagte die junge Frau unter ihren Thränen lächelnd, während sich aber doch hohe Röthe über ihr liebes Antlitz ergoß – »Sie müssen nun schon mein Gast bleiben. Sarah wird Ihnen Ihr Lager dort in der Hängematte zurecht machen. Die Leute in Buenaventura dürfen keinen Verdacht schöpfen.«
»Gut,« nickte Bill vergnügt vor sich hin, denn es war ihm mit der Erledigung dieser Frage jedenfalls ein Stein vom Herzen genommen – »merkwürdig nur, woher Sie wußten, daß ich Bill hieß –«
»Ich hörte Sie von Ihren Kameraden bei Namen nennen,« lächelte die Frau, »und Ihr Gesicht hatte etwas so Offenes und Ehrliches –«