Leider ging das Alles total an Bill verloren, denn im Anfang beschäftigte ihn die Tageszeit – er konnte doch nicht so lang geschlafen haben – aber nein, die Sonne war kaum aufgegangen und schien noch ganz schräg durch die Spalten der Hütte – es war jedenfalls nicht weit über sechs Uhr – und schon Besuch? – Sein Blick flog nach der jungen Frau hinüber und die Erinnerung an die letzte Nacht stieg in ihm auf und zuckte ihm wieder mit einem recht fatalen, unangenehmen Gefühl durch's Herz. Es war ihm – so fremd ihm die Frau auch immer sein und bleiben mochte – als ob er etwas Liebes auf der Welt verloren habe – und das hatte er auch – er hatte ein Stück Vertrauen eingebüßt und er nahm sich in Gedanken fest vor, sobald als nur irgend möglich das Haus zu verlassen, und dann nicht wieder hierher zurückzukehren – zwingen konnte sie ihn ja nicht, da er ihr Geheimniß wußte.

Und wie unruhig sie heut Morgen war – wie ängstlich sie umher sah und sich doch auch wieder jede nur erdenkliche Mühe gab, gleichgültig zu erscheinen. Oft sogar horchte sie scheu und erschreckt, als ob sie irgend Etwas zu hören glaubte, und sank dann wieder in sich zusammen.

Bill war aufgestanden und hatte seine Jacke angezogen, und die alte Negerin brachte ihm, mit einer ungewöhnlichen Aufmerksamkeit, ein aus einer Kalebasse geschnittenes Waschbecken und ein kleines, aber schneeweißes Handtuch, mit dem er die etwas schwanke Leiter hinabstieg und unter das Haus ging. Er konnte doch nicht dort oben vor den Damen Toilette machen; wäre auch jetzt gleich am Liebsten fortgegangen, aber das Handtuch mußte er jedenfalls erst wieder oben abliefern, daß es da unten nicht gestohlen würde. Weiter hatte er nichts mehr in dem Haus zu thun.

Als er hinauf kam, deckte eben Candelaria wieder den kleinen Tisch und setzte den eisernen Kocher darauf, in welchem sie die Chokolade bereitet hatte – und der Besuch schien nicht zu wanken und zu weichen. Jetzt aber mochte es Sarah auch satt bekommen, von neugierigem Volk belästigt zu werden, dessen Absicht sie noch dazu durchschaute. Daß es weiße Damen waren, machte dabei keinen Unterschied; seit Aufhebung der Sklaverei hatten die Neger dasselbe Recht – und nahmen sich manchmal noch ein wenig mehr heraus – und hier in ihrem eigenen Hause brauchte sie sich nicht ärgern zu lassen.

»Señoras,« sagte sie deshalb ohne weitere Umstände, »bitte, wenn Sie jetzt hinunter gehen, so machen Sie die kleine Thür an der Umzäunung unten zu, die Kühe laufen uns sonst immer unter das Haus und reiben sich an den Pfählen. – Señor, da liegt noch ein Stück von Ihrem Zuckerrohr – vergessen Sie es nicht.«

Das war deutlich genug, und die Angeredeten verstanden auch den Wink und verließen, wenn auch nicht in guter Laune über die Abfertigung, das Haus; und der junge Bursche mit seiner Papier-Cigarre blieb, da er nicht erwähnt worden, ruhig sitzen und begann sogar sich eine neue Cigarre zu drehen. Mit dem machte die alte Frau aber kurzen Prozeß.

»Höre, mein Bursche,« sagte sie, indem sie ihm auf die Schulter klopfte, »hast Du schon heut Morgen Deine Chokolade getrunken?«

»No, Señora,« schmunzelte der Halbindianer, indem er einen vergnügten Blick auf den Tisch warf, denn er folgerte aus der Frage eine Einladung für sich selber – hatte sich aber getäuscht.

»So?« sagte die Alte mit der größten Gemüthsruhe, »na, dann geh' hin und trinke sie, denn in der Stadt unten geht es heut Morgen bunt zu, und Du weißt nicht, ob Du nachher Zeit zum Frühstücken bekommst. Sei so gut und schieb mir einmal den Pfahl ein wenig von unten herauf – willst Du?«

»Gewiß,« nickte der Bursche ganz verdutzt, »gewiß, Señora – mit dem größten Vergnügen,« und die halbfertige Cigarre noch in der Hand, kletterte er an dem Baum hinunter und hob ihn dann auf, daß ihn Sarah bequem nach oben ziehen konnte, wodurch jede weitere Verbindung mit unten abgeschnitten wurde.