Ohne Weiteres öffnete er auch die Brieftasche und schon im ersten Fache entdeckten sie drei oder vier Karten, die alle den Namen G. Braunfeld, Geheimer Regierungsrath, trugen.
»Das ist merkwürdig,« sagte der junge Schnittwaarenhändler, »ein Geheimer Regierungsrath, der hier aus der Schale gekrochen ist.«
»Zeichen in der Wäsche stimmt – G. B.,« berichtete der Assessor, der indessen das fragliche Stück untersucht hatte.
»Und was nun?«
»Ja, was nun? Anzeige müssen wir jedenfalls von dem Funde machen, aber ich weiß nicht, ob wir die Sachen an uns nehmen können, denn wenn der betreffende Herr doch am Ende zurückkehren sollte, so –«
»Aber er kann doch nicht in dem Zustand in den Wald gelaufen sein,« rief der junge Schnittwaarenhändler.
»Und wenn er nun in der Nähe ein Bad nähme?«
»In der Nähe?« rief ein junger Buchhändler aus der Metropolis, »hier oben auf dem hohen Berg? Der nächste Bach fließt wenigstens eine halbe Stunde weit, unten im Thal.«
»Stiefel und Hut fehlen,« sagte der Assessor, »jedenfalls, meine Herren, müssen wir zuerst frühstücken, denn das ist das Wichtigere der beiden Momente. Bis dahin behalten wir aber auch Zeit, uns die Sache reiflich zu überlegen und zu einem Entschluß zu kommen; außerdem erwarten uns die entflohenen Damen da draußen mit Schmerzen, um Nachricht über das Außerordentliche zu vernehmen. Spannen wir sie nicht länger auf die Folter.«
Darin hatte er in der That Recht, denn das Corps der Damen erwartete schon in peinlichster Ungeduld die Rückkehr der Herren. Leider konnten ihnen diese aber auch keine weitere Aufklärung bringen, da ein Unglücksfall kaum denkbar war. Keinenfalls lag eine Ermordung vor, denn weder an Wäsche noch Kleidern hatten sich die geringsten Blutspuren gezeigt, ja Alles sah frisch und neugewaschen aus und nicht einmal die Falten schienen zerknittert.