»Sie weiß gar nicht daß Sie kommen?«
»Nicht ein Wort.«
»Das wird ein Jubel sein« sagte die gute Frau — »lieber Gott, wenn man sich nach so langen Jahren wieder sieht — wie lebhaft kann ich mir die Freude denken.«
In diesem Augenblick kam ein kleiner Trupp ihrer Reisegefährten aus dem Zwischendeck, über die ausgelegte Planke an Land — sie hatten Neger bei sich die ihr Gepäck trugen.
Voran ging Eltrich, seine kleine Frau am rechten, sein Kind auf dem linken Arm, und ihnen folgte ein stämmiger Schwarzer mit einem großen Holz- und einem kleineren Lederkoffer mit zwei Hutschachteln und einem Reisesack dem Violinetui und ihren Betten auf einem zweirädrigen Handkarren — eine kleine Tasche trug noch Adele am Arm. Als sie an dem Wagen vorbeigingen grüßten sie freundlich die Damen, und wandten sich dann der nächsten Querstraße zu, die hinauf in die Stadt führte.
»Welch ein liebes freundliches Gesicht die junge Frau hat« sagte Anna, die den Gruß herzlich erwiedert hatte und ihnen nachschaute »ein so zartes Wesen und hat die ganze Reise im Zwischendeck ausdauern müssen — ich habe sie oft bewundert; und sie war immer froh und heiter.«
»Ich wäre gestorben«; seufzte Fräulein von Seebald.
»Da kommen noch mehr Zwischendecks-Passagiere«!« rief Anna, nach der Planke zeigend, wo in diesem Augenblick Herr Mehlmeier die Hände in den Taschen, und einen rothseidenen Regenschirm unter den linken Arm gedrückt, von einem Mulatten begleitet, der einen nicht eben schweren Koffer auf der Schulter trug, leise ein Lied vor sich hinpfeifend die Planke hinunterstieg, und dicht an dem Wagen vorüberging. —
»Wünsche Ihnen eine recht glückliche Reise meine Damen« murmelte er dabei mit seiner feinen Stimme, während er keine Miene verzog und sie eher mit einem Gesicht anschaute als hätte er sagen wollen, »Na Ihr könntet auch zu Fuße gehn.«
»Ist das ein grober Mensch« lächelte die Frau Professorin hinter ihm her — »sind nun so lange auf einem Schiff gewesen, und soweit mitsammen über das Wasser gekommen, und er grüßt nicht einmal, hat uns auch nie an Bord gegrüßt, und uns nur immer steif und hölzern angesehn.«