»Mir war es fast als ob er Ihnen glückliche Reise wünschte« sagte Fräulein von Seebald — »aber ich konnte es nicht deutlich verstehen.«
»Nein gewiß nicht« lachte Anna, »er verzog ja keine Miene dabei — aber da kommt auch der Dichter — wenn das sein ganzes Gepäck ist, wird er nicht viel Umstände damit haben.«
Es war allerdings Theobald, dem ein junger Mulattenbursch mit einem sehr schmächtigen gelben Lederkoffer unter dem linken Arm, und einem kurzen Reisesack auf dem ein Pegasus gestickt war in der rechten Hand, voran lief. Theobald selber trug ein pappenes, etwas mitgenommenes Hutfutteral in der rechten Hand und einen schwarzseidenen Regenschirm mit einem Fischbein-Stöckchen hineingebunden, unter dem linken Arm, faßte aber, als er die Damen an der Levée halten sah, seinen gelben Lastträger hinten in den Bund, daß er ihm nicht in dem Gewirr von Menschen abhanden kam, und bedeutete ihn mit nach dem Wagen hinüber zu gehn, und dort zu warten. Er sprach kein Wort englisch und die ganze Unterhaltung mußte durch Zeichen geführt werden.
»Meine Damen, ich habe die Ehre — ich möchte fast sagen den Schmerz — mich Ihnen gehorsamst zu empfehlen« sagte er, hier angekommen mit einer besonders bedeutungsvollen Verbeugung gegen Fräulein von Seebald, und einen Ausdruck in den Zügen, der mehr sagen sollte als die kalten Worte.
»Und wohin trägt Sie Ihr Flug?« frug Amalie mit einem leichten, vielleicht kaum bewußten Erröthen.
»Wohin?« rief Theobald stehen bleibend und in der Begeisterung des Augenblicks die Hand mit dem Hutfutteral emporhebend, »in den Strudel der sich hier vor uns öffnet, in die Charybdis dieses weiten Reichs spring ich hinein, ein kühner Schwimmer. Ob mich die Wasser tragen werden? — ich weiß es nicht — ob ich darin untergehe? — « die Hand mit dem Hutfutteral kam wieder herunter — »wer mag den dunklen Schleier der Zukunft lüften — nur ein Gott.«
Er stak fest — die Frauen waren in Verlegenheit was sie ihm darauf erwiedern, ob sie ihn trösten oder bewundern sollten, und Theobald selber hatte den Faden verloren, als der kleine Mulatte beide Theile aus der Verlegenheit riß. Da dieser nämlich nicht den mindesten Grund sah weshalb er hier stehn bleiben und seine schöne Zeit versäumen solle, während er, wenn er rasch zurückkam, leicht noch eine Passagierfracht von demselben Schiffe aus befördern konnte, so setzte er plötzlich, ohne weiter auf den Eigenthümer des Koffers und Reisesacks Rücksicht zu nehmen, seinen Weg queer über die Fahrstraße fort.
»Sie da! — Sohn Afrikas — hallo!« rief Theobald, in der Sorge um sein Eigenthum plötzlich wieder auf die Erde herabkommend — »hallo da — warten Sie bis ich mit komme!«
»Sie werden schon eine Laufbahn finden, die Ihrer würdig ist« sagte mit leisem tröstenden Ton Fräulein von Seebald — der Koffer drohte aber in dem Gewirr von Menschen zu verschwinden.
»Sie werden entschuldigen meine Damen!« rief Theobald, die Schnur des Hutfutterals in die Finger der linken Hand pressend, die rechte zum Hutabnehmen frei zu bekommen — »ich hoffe jedenfalls noch das Vergnügen zu haben Sie wieder zu sehn« und sich den Hut fest in die Stirne drückend folgte er raschen Schrittes seinem viel zu eiligen Mulatten.