»Also go ahead! — vorwärts und mit Gott!«
»Adieu — adieu!«
Der Wagen bog in die Stadt ein, da an der Levée das Gedräng der Karren und Fußgänger zu groß war, und fuhr in scharfem Trabe den nächsten Weg nach der Dampfbootlandung, während Eduard jetzt rasch das noch zurückgebliebene Gepäck beförderte, mit dem letzten Karren den Eltern nachzufolgen.
Der junge Eltrich, der an dem Morgen mit Hülfe eines mitten in der Stadt aufgegriffenen Deutschen ein kleines Logis (Stube und Kammer wenigstens) gefunden hatte, war rasch zurückgeeilt seine Frau und sein Kind aus dem entsetzlichen Zwischendeck zu befreien. Mit ihrem Gepäck hatten sie, da Alles oben vor ihrer Coye stand, gar keine Umstände, Lastträger gab es zu hunderten an allen Theilen der Levée mit Hand- und Pferdekarren, und so stand ihnen denn Nichts weiter im Weg das Schiff, wo seine arme Frau besonders eine schwere Zeit verlebt, so rasch als möglich zu verlassen. Der Neger kannte übrigens die Straße und das Haus wohin sie wollten, und als er die Sachen auf seinen Handkarren geladen, nahm Eltrich sein junges Weib an, sein Kind auf den Arm, und zog, das Herz voll Jubel und froher Hoffnung mit ihnen in eine neue Welt, in ein neues Leben ein.
Das war Amerika, der feste Grund den sie unter den Sohlen fühlten — das endlich erreichte Land ihrer Sehnsucht, für das sie gedarbt und gespart daheim, und die hellblitzende Sonne schien ihnen freundlich zuzuwinken im neuen Vaterland — der wolkenleere reine Himmel ein frohes Omen zu sein, all ihrer Hoffnungen und Träume. Freilich ringen und kämpfen mußten sie auch hier; eine Bahn galt es erst sich hier zu brechen, vielleicht wieder mit Sorgen und Entbehrungen, wie vordem, aber dafür bot ihnen auch das ungeheure Reich einen freien ungehinderten Spielraum für ihre Thätigkeit, und Eltrich fühlte die Kraft in sich, fühlte daß er im Stande war alle Hindernisse zu besiegen und sich den Weg zu bahnen, zu einer selbstständigen sorgenfreien Existenz. Seine Ansprüche an das Leben waren dabei mäßig; auf seinem Instrument aber war er Meister, und die aufblühende Kunst in Amerika mußte dem Künstler endlich ein Feld bieten zu wirken und den Lohn dafür zu erndten. War das aber auch nicht, nun so scheute er sich hier keiner Arbeit, die in dem freien Lande ihn nicht schändete und ihm nicht, einmal begonnen, die Bahn verschloß zu einer edleren Thätigkeit, wie blinde Vorurtheile das im alten Vaterland gethan. Jung und kräftig brauchte er nicht zu fürchten Hunger zu leiden, und wo so viele Tausende ihr Glück — eine Heimath fanden, durfte auch er der Zukunft mit froher Zuversicht entgegensehn.
»Was für ein reges wunderliches Leben das hier ist, meine Adele« sagte er, den Arm der Gattin pressend, der in dem seinen hing, und lächelnd zu ihr niederschauend — »sieh nur allein die wunderlichen Farben, an der Tausende, die hier herüber und hinüber eilen — nicht zwei haben gleiche Schattirungen und es ist fast, als ob der ganze Erdball seine Bewohner hierher geschickt hätte, die eine Stadt zu füllen.«
»Aber was für häßliche Gesichter diese Neger haben« lächelte die Frau, in komischer Angst über die Schulter zurück nach dem Schwarzen sehend, der ihnen die Sachen nachführte, »besonders jener Bursche da hinter uns; was für böse Augen und entsetzliche Lippen. Und so höhnisch und tückisch sehn sie dabei aus.«
»Was können sie für den Ausdruck ihrer Race« lachte Eltrich, »aber es sollen vortreffliche Arbeiter sein, und meist guten Humors — sehr oft guten Herzens. Was kümmert uns ihre Farbe und der Schnitt ihres Profils; wer weiß überdieß, ob wir ihnen nicht eben so häßlich erscheinen, wie sie uns.«
»Oh die herrlichen Früchte!« rief da Adele, als sie vor einem Stand vorbeikamen, der mit Ananas, Orangen, Bananen und Cocosnüssen bedeckt war — »oh der gottvolle Duft! ach das thut wohl solche Luft zu athmen nach so langer Zeit — und Blumen da drüben — oh sieh die lieben herrlichen Blumen an, Paul; nicht wahr, so wie wir uns nur ein klein wenig eingerichtet haben, gehen wir mit dem Kind hinaus in's Freie und pflücken uns viele viele Blumen — ich freue mich selber wie ein Kind darauf.«
»Gewiß mein Herz gewiß — aber die Blumen hier in Amerika sollen keinen Duft haben wie die unsrigen, wie man den Vögeln auch hier nachsagt daß sie nicht singen könnten.«