»Verleumdung Paul — böse Verleumdung!« rief die kleine fröhliche Frau, die vor dem Blumenstand stehn geblieben war und sich zu den vollen, zierlich gebundenen Bouquets die ein reizendes Quadroonmädchen feil bot, niedergebogen hatte — »hier überzeuge Dich selbst was für einen zarten herzigen Duft das kleine weiße Blümchen hat — und Luz muß auch riechen — nicht wahr Herz das riecht anders, wie da unten in dem bösen dunstigen Schiff, wo mein armer kleiner Bursche so lange gesteckt hat, und sich nicht herumtummeln konnte auf grünem Rasen.«
Das Mädchen bot ihnen Sträuße zum Verkauf an, doch Adele schüttelte erröthend den Kopf, drängte von dem Korbe fort, und bat den Gatten mit leiser Stimme kein Geld an solche Sachen zu wenden, wo sie es vielleicht zum Leben nöthig in der ersten Zeit gebrauchten.
»Es sind die ersten Blumen die uns geboten werden« sagte aber lächelnd der junge Mann, »laß sie uns nicht zurückweisen. Sie mögen uns ein gutes Zeichen sein. Was kosten die Blumen Kind?« frug er dann auf Englisch das junge Quadroonmädchen das sie feil bot.
»Nichts« sagte dieses aber, jetzt selber tief erröthend in reinem Deutsch — »die junge Frau und das Kind mögen sie nehmen!«
»Du sprichst deutsch?« rief Eltrich im höchsten Erstaunen aus, »und bist doch nicht über dem Wasser drüben geboren.«
»Nein« sagte die Sclavin ernst den Kopf schüttelnd — »aber mein Master ist ein Deutscher, und in seinem Hause wird deutsch gesprochen, da habe ich es schon als Kind gelernt.«
»Wie heißt Dein Master?«
»Messerschmidt.«
»Aber dürfen wir da die Blumen nehmen?«
»Ich darf sie geben« sagte das junge Mädchen, und das Blut drohte ihr in dem Augenblick die Schläfe zu zersprengen, »denn ich habe heute Morgen schon mehr, weit mehr für meine Blumen gelößt als mein Master von mir verlangt — ich bitte Sie recht herzlich darum sie zu behalten.«