»Papperlapapp!« sagte der Mann den Kopf herüber und hinüber werfend — »unnatürlich — natürlich ist's allerdings nicht daß die Scheunen ringsherum voll liegen, und das reiche Lumpenpack das Geld mit vollen Fausten zum Fenster hinaus[pg 254]wirft, während wir hier trocken Brod nagen sollen, und das nicht einmal immer kriegen — schöne Natürlichkeit das.«
»Wenn Du nur nicht den dummen Streich mit dem — «
»Halt's Maul!« brummte aber der Mann mürrisch — »ich sollte mich wohl erwischen und anzeigen lassen, daß ich jetzt im Zuchthaus säß und spänn — Gott verdamm mich, ich schösse eher die ganze Bande über den Haufen, einen nach dem anderen — bist Du nun fertig mit Deinen Sachen?«
»Ja!« sagte die Frau leise und unwillkürlich zusammenschaudernd — »es kann fort gehn.«
»Wir wollen aber doch warten bis es dunkel ist,« sagte Steffen nach kleiner Pause; »besser ist besser, und der Märtens unten an der Straße braucht nicht gleich zu wissen daß wir fortgefahren sind, beide zusammen, seine Nase hineinzustecken vor der Zeit; er ist mir so schon ein paar Mal hier oben herumgekrochen, wo er Nichts zu suchen hatte.«
»Aber wenn sie uns nun doch vor der Zeit vermissen?« sagte die Frau, »und unserer Spur nachgehn; wenn's jetzt schlimm ist, nachher wird's erst bös, und wir dürften dann nur gleich mit Sack und Pack abziehn.«
»In's Arbeitshaus, eh? — nein, eine Weile halt' ich sie uns schon von den Hacken, und Gefahr daß sie uns finden, hat es auch nicht. Wo wir zur Eisenbahn kommen bin ich bekannt, und habe schon manchmal Vieh da gekauft, wenn sie auch eben meinen Namen nicht wissen, und wenn wir fortgehn, lasse ich einen alten Hut von mir und das gelbe Tuch von Dir unten an dem tiefen Wasserloch unter den Erlen. Sobald[pg 255] Jemand hier in der Gegend vermißt wird, suchen sie dort immer zuerst, und der Schulze im Dorf hat das Pulver nicht erfunden, dem ist leicht was aufgehängt. Bis sie eine Weile stromab geangelt haben, sind wir hoffentlich unterwegs, und wenn nicht unter, doch über dem Wasser. Aber ich will jetzt noch einmal hinunter zum Märtens gehn und Mehl holen; es ist auch heute der gewöhnliche Tag, und hierher kommt nachher keiner so leicht, nimm Du indeß die Kinder vor, und instruire sie wie sie sich zu verhalten haben.«
Und seine Mütze aufgreifend steckte Steffen die Hände in die Taschen, und schlenderte langsam den Hang hinunter dem nächsten, eine gute Viertelstunde entfernten Hause zu, während die Frau die Kinder zu sich hereinrief, das Jüngste, ein kleines liebes Mädchen von anderthalb Jahren, auf den Schoos nahm, und sich damit still und lautlos in die Ecke setzte.
Die Sonne neigte sich indessen ihrem Untergang, und der Vater kam nach etwa einer Stunde, als es schon völlig dunkel geworden war zurück — die Mutter saß noch immer mit dem Kind auf dem Schoos, das bei ihr eingeschlafen war, und hielt es fest an sich gedrückt.
»So Jule, es ist Zeit,« sagte der Mann, seine Arbeitsjacke abwerfend und den Rock anziehend, »weiß die Albertine was sie zu thun hat?«