Die Frau zitterte am ganzen Leib, aber sie erwiederte kein Wort, stand auf, küßte das Kind das sie auf dem Arm trug, [pg 256]und legte es in sein Bettchen — einen Kasten, der in der Ecke der Stube stand.

»Albertine,« sagte sie dann zu der Aeltesten, und wandte sich von der düster brennenden Oellampe, die Steffen auf den Ofen gestellt hatte, ab, daß die Tochter ihr nicht in die jetzt wirklich todtenbleichen Züge schauen sollte — »ich gehe mit dem Vater heute Abend eine Weile fort — den Karl bring ich erst noch zu Bett — sollten wir morgen früh nicht bei Zeiten da sein, so — so zieh die Kinder an und gieb ihnen zu essen — der Brodschrank ist offen, und Milch steht unter der Diele in der Schüssel — Du paßt mir auf daß den Kleinen Nichts passirt — Du — Du bist ja schon ein großes Mädchen.«

»Und geht mir nicht vor die Thür morgen, bis wir nicht wieder da sind,« sagte Steffen, »wie ich heut Abend drunten gehört habe, ist hier ein toller Hund herumgelaufen. Das Beste wird sein Ihr haltet die Hausthür zu, daß er nicht etwa gar herein kommt.«

Die Frau hatte dabei das etwa dreijährige Mädchen das indeß gar schläfrig geworden war, ausgezogen und in sein Bettchen gelegt — und der Junge, Carl, saß auf der Bank am Fenster, noch auf sein Abendbrod wartend. Aber er sah auch erstaunt dabei die Eltern an, die noch nie so spät Abends fortgegangen waren, und auch wohl noch nie, oder doch nur selten gar so freundlich mit ihnen gesprochen hatten.

»Was für ein Hund ist es, Vater?« frug er jetzt, da der Gedanke an den tollgewordenen Hund ihn besonders interessiren [pg 257]mochte — »Märtens' Bello? der kennt mich, und beißt mich nicht.«

»Nein, der große Türk aus dem Dorfe unten,« sagte Steffen — »der den Müller auch schon einmal gebissen hat.«

»Oh der ist schlimm!« rief der Knabe erschreckt — »da geh' ich gewiß nicht hinaus.«

»Geh' nun zu Bett Carl, es ist spät,« sagte der Vater.

»Ich habe mein Abendbrod noch nicht,« brummte der arme kleine Bursch.

»So? — dann wird Dir's Albertine geben — und — seid brav und folgt ihr — «