»Dem Apotheker Nichts,« nahm aber Kellmann kopfschüttelnd das Wort, »doch hier dem Dings da, dem Mathes — was meint Ihr, Lobsich was er vor hat?«
»Heirathen?« sagte dieser, und ein breites vergnügtes Schmunzeln über den so richtig und schnell gerathenen Vorsatz zog sich über sein dickes gutmüthiges Gesicht.
»Heirathen!« schrie aber der Apotheker dazwischen, indem er sich seinen Hut in die Stirn drückte und seinen Rock anfing zuzuknöpfen — »heirathen? — ja prost die Mahlzeit; auswandern will der Kerl, wie ein blindes Pferd das durch die Stallwand bricht, in einen Teich zu fallen.«
»Auswandern?« schrie aber auch jetzt Lobsich in unbegrenztestem Erstaunen — »na das ist mir aber doch wahrhaftig was Unbedeutendes.«
»Oh hol Euch der Teufel mit Eurer albernen Redensart!« rief aber der nun einmal ärgerliche Apotheker, und nahm seinen Stock unter den Arm — sein stetes Zeichen daß er fertig zum Gehen sei — »was Unbedeutendes; ja wohl, wenn der Raptus erst einmal in solche Köpfe und Geldbeutel fährt, nachher werden wir sehn was wir hier anrichten. Ich will mir aber mein Abendbrod nicht verderben — gute Nacht Ihr Herren.«
»Halt Schollfeld!« rief aber Kellmann, ihn am Arm fassend und zurückhaltend — »brennt mir nicht durch, ich gehe auch gleich mit und wollte nur erst hören, was Mathes den[pg 039] Gedanken in den Kopf gesetzt hat. Hol's der Henker, er macht sich entweder einen Spaß mit uns, oder es ist nur so eine Idee von ihm, die wir ihm wieder ausreden können.«
»Wenn ich das wüßte blieb ich die ganze Nacht hier,« sagte Schollfeld, seinen Stock wieder auf den Tisch legend und zu dem verlassenen Stuhl zurückgehend. »Mensch, Mathes, seid Ihr denn rein vom Teufel besessen, oder habt Ihr nur heute, in irgend einer Kneipe, ein wenig des Guten zu viel gethan, daß Ihr so tolles Zeug zusammenfaselt.«
Mathes blieb aber bei allen diesen Ausbrüchen des Erstaunens, die erste Erklärung nur einmal überstanden, vollkommen ruhig, und zog nur, statt jeder weiteren Antwort, einen Brief aus seiner Brusttasche, den er langsam auffaltete und vor sich legte, als ob er ihn vorlesen wollte.
»Nun was soll's mit dem Wisch?« rief aber der Apotheker ärgerlich, »Ihr habt Euere Seele doch noch nicht dem Gott sei bei uns verkauft?«
»So schlimm noch nicht,« lachte der junge Bursch, »das hier ist nur ein Brief von Caspar Lauber, den Sie ja Alle kennen und der vor etwa sieben Jahren nach Wisconsin auswanderte.«